Der beschleunigte Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen verändert die Energieplanung in mehreren europäischen Ländern. Betreiber melden steigenden Bedarf an Anschlussleistung, während Netzbetreiber vor der Aufgabe stehen, Kapazitäten schneller bereitzustellen als bisher vorgesehen.
Besonders betroffen sind Regionen mit bereits hoher Rechenzentrumsdichte. In Deutschland konzentriert sich der Ausbau traditionell auf den Großraum Frankfurt, wo der zentrale Internetknoten die Ansiedlung begünstigt.
Anschlussleistung wird zum Engpass
Anders als bei klassischen Serverfarmen fällt bei KI-Training der Strombedarf konzentrierter an. Trainingsläufe für große Modelle benötigen über Wochen konstante Höchstlast, was die Anforderungen an Netzstabilität und Kühlung erhöht. Mehrere Betreiber prüfen deshalb Standorte in Regionen mit Überschuss aus erneuerbaren Energien.
Abwärme als ungenutzte Ressource
In der Diskussion steht zunehmend die Nutzung der Abwärme. Einzelne Projekte speisen Wärme in kommunale Nahwärmenetze ein, flächendeckend ist dies bislang nicht der Fall. Hindernisse sind das relativ niedrige Temperaturniveau der Abwärme und die oft fehlende räumliche Nähe zu Wärmenetzen.
Die Frage ist nicht mehr, ob Rechenzentren gebaut werden, sondern wo sie so entstehen, dass Netz und Wärmeversorgung mitprofitieren.
Was Kommunen jetzt planen
Mehrere Städte haben begonnen, Ansiedlungen an Auflagen zur Abwärmenutzung zu koppeln. Damit soll verhindert werden, dass Rechenzentren zwar Gewerbesteuer bringen, aber energetisch als reine Verbraucher auftreten. Ob solche Auflagen im Wettbewerb um Investitionen durchsetzbar bleiben, ist offen.