Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet in seiner Erntebilanz 2026 mit einer Getreideernte von nur 41,9 Millionen Tonnen. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr und deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Wetterextreme haben vor allem beim Winterraps zu Einbußen von 20 Prozent geführt.
- Getreideernte 2026 bei 41,9 Millionen Tonnen, ein Minus von sieben Prozent gegenüber 2025.
- Winterweizen erbringt 72,1 Dezitonnen je Hektar, neun Prozent weniger als im Vorjahr.
- Winterraps fällt mit 29,1 Dezitonnen je Hektar um 20 Prozent gegenüber 2025.
- Erzeugerpreise bleiben trotz geringerer Ernte auf niedrigem Niveau.
Wie die Ernte 2026 ausgefallen ist
Der Deutsche Bauernverband hat seine offizielle Erntebilanz für das Jahr 2026 vorgelegt. Die Gesamtgetreidemenge liegt bei 41,9 Millionen Tonnen, verglichen mit 45,2 Millionen Tonnen im Jahr 2025 (Bauernverband, Stand August 2026). Der durchschnittliche Ertrag über alle Getreidearten beträgt 68,9 Dezitonnen je Hektar.
Die größte Einzelkultur, der Winterweizen, kommt auf 20,9 Millionen Tonnen bei einem Ertrag von 72,1 Dezitonnen je Hektar. Das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent bei der Menge und neun Prozent beim Ertrag gegenüber dem Vorjahr. Die Anbaufläche blieb mit rund 2,9 Millionen Hektar weitgehend stabil.
Die Zahlen im Detail
| Kultur | Ernte 2026 | Ertrag dt/ha | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Getreide gesamt | 41,9 Mio. t | 68,9 | −7 % |
| Winterweizen | 20,9 Mio. t | 72,1 | −9 % (Ertrag) |
| Wintergerste | 9,5 Mio. t | 75,6 | −4 % (Ertrag) |
| Winterraps | 3,3 Mio. t | 29,1 | −20 % (Ertrag) |
Warum die Ernte so schlecht ausfällt
Der Bauernverband macht Wetterextreme für die unterdurchschnittliche Ernte verantwortlich. Das Frühjahr 2026 brachte in mehreren Anbauregionen Norddeutschlands anhaltende Nässe, die die Aussaat verzögerte und Bestände schädigte. Im Süden und Osten folgte eine ausgeprägte Trockenperiode während der Kornfüllungsphase, die besonders den Weizenertrag drückte.
Beim Winterraps summieren sich mehrere Negativfaktoren. Neben den Witterungsschäden setzte der Rapserdfloh den Beständen zu, nachdem EU-weit bestimmte Neonicotinoide als Beizmittel verboten bleiben. Die Anbaufläche war bereits rückläufig, und der Ertrag von 29,1 Dezitonnen je Hektar liegt 20 Prozent unter dem ohnehin schwachen Vorjahr.
Was die Ernte für Verbraucher bedeutet
Trotz der geringeren Erntemengen bleiben die Erzeugerpreise für Getreide auf niedrigem Niveau. Der Weltmarkt ist ausreichend versorgt, und große Exporteure wie Russland und die Ukraine melden stabile Ernten. Für deutsche Landwirte verschärft das die Lage: Sie ernten weniger, erzielen aber keinen höheren Preis dafür.
Für Verbraucher bleiben die Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise voraussichtlich begrenzt. Der Getreidepreis macht nur einen kleinen Teil des Endpreises bei Brot und Backwaren aus. Stärkere Preistreiber sind Energiekosten, Löhne und Logistik. Der Bauernverband fordert dennoch nachhaltigere Rahmenbedingungen, um die wirtschaftliche Existenz landwirtschaftlicher Betriebe zu sichern.
Drei Faktoren hinter der schwachen Bilanz
Die Erntebilanz 2026 ist das Ergebnis von drei Faktoren, die sich gegenseitig verstärkt haben. Der erste Faktor ist das Wetter: Anhaltende Nässe im Frühjahr verzögerte in Norddeutschland die Aussaat um bis zu drei Wochen, während eine Trockenperiode im Juni und Juli die Kornfüllung in Süd- und Ostdeutschland beeinträchtigte. Der zweite Faktor ist der Schädlingsdruck: Ohne wirksame Beizmittel gegen den Rapserdfloh bleiben die Rapserträge strukturell unter dem Niveau der Vorjahre.
Der dritte Faktor betrifft die wirtschaftliche Lage der Betriebe selbst. Steigende Betriebsmittelkosten bei gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen führen dazu, dass Landwirte weniger in Pflanzenschutz, Düngung und Saatgut investieren. Der Bauernverband beziffert den Kostenanstieg bei Düngemitteln gegenüber dem Vorkrisenniveau auf rund 35 Prozent. Die Schere zwischen Aufwand und Erlös schließt sich nicht, solange der Weltmarkt ausreichend versorgt bleibt und die Erzeugerpreise gedrückt bleiben.
Wie es weitergeht
Die endgültigen Erntezahlen des Statistischen Bundesamts erscheinen im Herbst 2026 und weichen erfahrungsgemäß um ein bis zwei Prozent von der Schätzung des Bauernverbands ab. Für 2027 hängt viel davon ab, ob die Herbstaussaat unter besseren Bedingungen stattfinden kann. Die Tagung „Ernte und Markt“ des Bauernverbands im Oktober wird die Vermarktungslage detaillierter beleuchten.
Die Tageszeitung „nd.DerTag“ kommentiert, dass der Bauernverband bisher keine nachhaltigen Forderungen an die eigene Branche stelle. Investitionen in Humusaufbau und besseres Wassermanagement blieben hinter den Forderungen nach staatlicher Unterstützung zurück. Die Debatte um die Zukunft der deutschen Landwirtschaft dürfte mit der schwachen Erntebilanz 2026 neuen Auftrieb erhalten.
Für die ohnehin unter Fachkräftemangel leidende Branche verschärft die schwache Ernte den wirtschaftlichen Druck. Betriebe mit geringen Rücklagen stehen vor der Frage, ob sie die Herbstaussaat im gewohnten Umfang finanzieren können. Der Bauernverband fordert unter anderem eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage, damit Landwirte Ertragseinbrüche besser abfedern können, sowie eine beschleunigte Zulassung alternativer Pflanzenschutzmittel gegen den Rapserdfloh.
Häufige Fragen
Wie viel Getreide wurde 2026 in Deutschland geerntet?
Der Deutsche Bauernverband schätzt die Getreideernte 2026 auf 41,9 Millionen Tonnen. Das sind sieben Prozent weniger als die 45,2 Millionen Tonnen des Vorjahres. Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 68,9 Dezitonnen je Hektar.
Warum ist die Rapsernte 2026 besonders schlecht?
Der Winterraps erbringt 2026 nur 29,1 Dezitonnen je Hektar, ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptursachen sind Witterungsschäden durch Nässe im Frühjahr, Trockenheit im Sommer und anhaltender Schädlingsbefall durch den Rapserdfloh, gegen den zugelassene Beizmittel fehlen.
Werden Lebensmittel wegen der schwachen Ernte teurer?
Unmittelbare Preissprünge sind unwahrscheinlich. Der Weltmarkt ist ausreichend versorgt, und der Getreidepreis macht nur einen geringen Anteil am Endpreis von Brot und Backwaren aus. Stärkere Preistreiber bleiben Energie-, Lohn- und Logistikkosten.
Quellen:
Deutscher Bauernverband Erntebilanz 2026,
nd.DerTag / Kommentar zur Erntebilanz