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Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro in Rechenzentrum bei Rostock

Technologie

Die Schwarz-Gruppe, Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, investiert 5,6 Milliarden Euro in ein Rechenzentrum bei Rostock. Das Projekt in Dummerstorf soll in der ersten Phase bis 2033 eine Anschlussleistung von 240 Megawatt erreichen und langfristig auf ein Gigawatt wachsen. Die Investition markiert eine der größten privaten Infrastrukturentscheidungen in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schwarz-Gruppe plant ein Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock mit einer Investitionssumme von 5,6 Milliarden Euro bis 2033.
  • Die Anlage startet mit 240 Megawatt Anschlussleistung und soll langfristig auf 1 Gigawatt wachsen.
  • Betrieben wird das Rechenzentrum über die IT-Sparte Schwarz Digits mit der Cloud-Plattform STACKIT.
  • Deutschlands Rechenzentrumskapazität lag 2025 bei 2.980 Megawatt, der KI-Anteil soll sich bis 2030 vervierfachen (Bitkom, Stand März 2026).

Schwarz-Gruppe plant Mega-Rechenzentrum in Mecklenburg-Vorpommern

Die Schwarz-Gruppe hat am 27. August 2026 offiziell bestätigt, im Gewerbegebiet von Dummerstorf südöstlich von Rostock ein großflächiges Rechenzentrum zu errichten. Die Gesamtinvestition beziffert der Konzern auf rund 5,6 Milliarden Euro für die erste Ausbaustufe bis 2033. In dieser Phase soll die Anlage eine Anschlussleistung von 240 Megawatt erreichen.

Langfristig sieht die Planung einen Ausbau auf bis zu ein Gigawatt vor, wobei dieser Schritt bis 2045 abgeschlossen sein soll. Zum Vergleich: Ein Gigawatt Rechenzentrums-Leistung entspricht in etwa dem Strombedarf einer Großstadt mit 500.000 Einwohnern. Das Projekt befindet sich nach Unternehmensangaben noch in einer frühen Planungsphase, die behördlichen Genehmigungen stehen aus.

STACKIT als Gegenentwurf zu US-Hyperscalern

Betrieben wird das Rechenzentrum von Schwarz Digits, der IT-Sparte der Schwarz-Gruppe. Die Cloud-Plattform STACKIT positioniert sich als europäische Alternative zu Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. STACKIT speichert Daten ausschließlich innerhalb der Europäischen Union und unterliegt damit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), nicht dem US-amerikanischen Cloud Act.

Die Schwarz-Gruppe nutzt STACKIT zunächst für die Digitalisierung der eigenen Handelslogistik. Lidl und Kaufland betreiben zusammen mehr als 13.900 Filialen in 32 Ländern. Das erzeugt Datenmengen, die bislang teilweise auf Infrastruktur externer Anbieter laufen. Gleichzeitig bietet Schwarz Digits die Plattform externen Kunden an und hat bereits eine Absichtserklärung mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern geschlossen: Die Landesverwaltung soll über STACKIT digitale Baugenehmigungen abwickeln, der Start ist für 2026 geplant.

Die Kennzahlen im Überblick

Kennzahl Wert Quelle, Stand
Investition Phase 1 (bis 2033) 5,6 Milliarden Euro Schwarz-Gruppe, August 2026
Leistung Phase 1 240 Megawatt Schwarz-Gruppe, August 2026
Zielleistung Phase 2 (bis 2045) 1 Gigawatt Schwarz-Gruppe, August 2026
Rechenzentrumskapazität Deutschland 2.980 Megawatt Bitkom, März 2026
KI-Anteil an Rechenzentrumskapazität 530 MW (15 Prozent) Bitkom, März 2026
Stromverbrauch aller deutschen Rechenzentren 21,3 Milliarden kWh Bitkom, 2025
Schwarz-Gruppe Standort Lübbenau 200 MW, 11 Mrd. Euro Gesamtinvestition ComputerBase, August 2026

Warum Rostock? Energie, Kühlung und Fachkräfte

Die Standortwahl Dummerstorf folgt einer wirtschaftlichen Logik: Mecklenburg-Vorpommern erzeugt erheblich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen, als das Bundesland selbst verbraucht. Insbesondere Windenergie steht in Norddeutschland in großer Menge zur Verfügung. Die Schwarz-Gruppe hat angekündigt, das Rechenzentrum ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien zu betreiben.

Ein weiterer Vorteil ist das Klima. Rechenzentren erzeugen enorme Abwärme, die abgeführt werden muss. In Süddeutschland oder im Frankfurter Raum, wo etwa 70 Prozent der deutschen Rechenzentrumskapazität konzentriert sind, erfordert das energieintensive Kühlsysteme. In Norddeutschland ermöglicht das kühlere Klima eine freie Luftkühlung über weite Teile des Jahres, was den Energieverbrauch deutlich senkt.

Zusätzlich hat die Schwarz-Gruppe eine Absichtserklärung mit den Stadtwerken Rostock unterzeichnet. Die Abwärme des Rechenzentrums soll in das kommunale Fernwärmenetz eingespeist werden. Konkrete Wärmemengen sind bislang nicht beziffert.

Deutschlands Rechenzentrumsmarkt wächst rasant

Die Investition der Schwarz-Gruppe fällt in eine Phase beschleunigten Wachstums. Die Gesamtkapazität aller deutschen Rechenzentren erreichte laut Bitkom im Jahr 2025 einen Wert von 2.980 Megawatt, ein Zuwachs von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Bitkom, Stand März 2026). Bis 2030 rechnet der Branchenverband mit einem Anstieg auf über 5.000 Megawatt.

Haupttreiber ist die künstliche Intelligenz. Der Anteil der KI-Rechenzentren an der Gesamtkapazität lag 2025 bei 530 Megawatt (15 Prozent). Bis 2030 soll sich dieser Wert auf 2.020 Megawatt vervierfachen und dann 40 Prozent der Gesamtkapazität ausmachen. Allein 2025 flossen nach Bitkom-Angaben rund 12 Milliarden Euro in IT-Hardware für Rechenzentren, weitere 3,5 Milliarden Euro in Gebäude und Technik.

Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland allerdings ein Leichtgewicht. Die USA verfügten 2024 über eine Rechenzentrumskapazität von 48 Gigawatt, China kam auf 38 Gigawatt. Deutschland lag mit unter 3 Gigawatt bei einem Bruchteil dieser Werte.

Zweiter Großstandort in Brandenburg bereits im Bau

Das Rostocker Projekt ist nicht die einzige Großinvestition der Schwarz-Gruppe in digitale Infrastruktur. In Lübbenau (Brandenburg) baut Schwarz Digits bereits ein weiteres Rechenzentrum mit 200 Megawatt Anschlussleistung und bis zu 100.000 GPU-Plätzen. Die Gesamtinvestition für den Standort Lübbenau beziffert das Unternehmen auf 11 Milliarden Euro, die Inbetriebnahme der ersten Kapazitäten ist für Ende 2027 geplant.

Zusammen ergeben Lübbenau und Dummerstorf bei vollständigem Ausbau eine Kapazität von über 1,2 Gigawatt. Das entspräche mehr als 40 Prozent der gesamten deutschen Rechenzentrumskapazität des Jahres 2025. Die Schwarz-Gruppe positioniert sich damit als einer der größten Rechenzentrumsbetreiber Europas, obwohl der Konzern vor allem als Lebensmittelhändler bekannt ist.

Einordnung

Die Investition der Schwarz-Gruppe in Dummerstorf ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, die über den Lebensmittelhandel hinausgeht. Mit STACKIT baut der Konzern eine souveräne europäische Cloud-Infrastruktur auf, die bewusst ohne Abhängigkeit von US-Hyperscalern funktioniert. Das Rostocker Projekt verschiebt gleichzeitig die Geografie des deutschen Rechenzentrumsmarktes: Während bislang der Großraum Frankfurt mit Abstand dominierte, entstehen in Ostdeutschland nun Kapazitäten, die dieses Gleichgewicht verändern könnten. Für Mecklenburg-Vorpommern, ein Bundesland mit strukturellen wirtschaftlichen Herausforderungen, bedeutet die Investition Arbeitsplätze in der Bauphase und dauerhaft im Betrieb, auch wenn konkrete Beschäftigungszahlen noch nicht vorliegen.

Häufige Fragen

Was ist STACKIT und wer steckt dahinter?
STACKIT ist eine Cloud-Plattform der Schwarz Digits, der IT-Sparte der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland). Die Plattform speichert Daten ausschließlich in der EU und positioniert sich als europäische Alternative zu AWS, Azure und Google Cloud. Neben der eigenen Handelslogistik bietet Schwarz Digits STACKIT auch externen Kunden an, darunter öffentliche Verwaltungen.

Wie viel Strom verbraucht ein Rechenzentrum mit 1 Gigawatt Leistung?
Bei Volllast verbraucht ein Rechenzentrum mit 1 Gigawatt Anschlussleistung rund 8,7 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht etwa dem jährlichen Stromverbrauch von 2,5 Millionen Haushalten. Die Schwarz-Gruppe plant, die Anlage in Dummerstorf vollständig mit erneuerbaren Energien zu betreiben.

Wann geht das Rechenzentrum in Dummerstorf in Betrieb?
Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Planungsphase. Die behördlichen Genehmigungen stehen aus. Die erste Ausbaustufe mit 240 Megawatt soll bis 2033 fertiggestellt sein, der volle Ausbau auf 1 Gigawatt ist bis 2045 vorgesehen.

Quellen:
ComputerBase,
Bitkom

Tobias Kramer
Tobias Kramer

Tobias Kramer schreibt über Technologie, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Nach einem Informatikstudium wechselte er in den Fachjournalismus und beobachtet seit zehn Jahren die Tech-Branche. Bei Meldungen.net betreut er die Ressorts Technologie und Karriere.

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