Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland steigt so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Mai 2026 wurden 21.000 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Allein im Neubau wurden 17.800 Genehmigungen erteilt, fast 30 Prozent mehr als im Mai 2025.
- Im Mai 2026 wurden 21.000 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 24,7 Prozent zum Vorjahr.
- Von Januar bis Mai 2026 stiegen die Genehmigungen auf 104.700 Wohnungen, 15,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Mehrfamilienhäuser treiben den Trend: 56.100 Genehmigungen in den ersten fünf Monaten, plus 18,9 Prozent.
- Trotz der Trendwende bleibt das Niveau deutlich unter dem Regierungsziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr.
Was die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen
Das Statistische Bundesamt hat die Baugenehmigungszahlen für Mai 2026 veröffentlicht und bestätigt damit einen seit Jahresbeginn anhaltenden Aufwärtstrend. Im Februar lag das Plus noch bei 24,1 Prozent, im März bei 11,5 Prozent, im April bei 9,2 Prozent (Destatis, Stand Juli 2026). Der Mai-Wert von 24,7 Prozent markiert den höchsten Einzelmonatsanstieg seit 2016.
Im Gesamtzeitraum Januar bis Mai 2026 wurden 104.700 Wohnungen genehmigt, 13.900 mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 86.000 auf den Neubau in Wohngebäuden, ein Plus von 16,6 Prozent. Der Zuwachs verteilt sich nicht gleichmäßig: Mehrfamilienhäuser verzeichnen mit 18,9 Prozent den stärksten Anstieg, während Einfamilienhäuser um 12,6 Prozent zulegten.
Die Zahlen im Detail
| Gebäudetyp | Jan–Mai 2026 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Mehrfamilienhäuser | 56.100 | +18,9 % (+8.900) |
| Einfamilienhäuser | 19.900 | +12,6 % (+2.200) |
| Zweifamilienhäuser | 6.200 | +21,6 % (+1.100) |
| Umbaumaßnahmen | 16.900 | +8,6 % (+1.300) |
| Gesamt | 104.700 | +15,4 % (+13.900) |
Warum die Trendwende jetzt kommt
Der Anstieg bei den Baugenehmigungen folgt auf drei Jahre des Rückgangs. Von 2022 bis 2024 hatten steigende Bauzinsen, explodierende Materialkosten und eine unsichere Wirtschaftslage viele Bauvorhaben zum Erliegen gebracht. Die Zahl der genehmigten Wohnungen war auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen.
Mehrere Faktoren treiben die Erholung. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins seit Herbst 2024 schrittweise gesenkt, wodurch die Bauzinsen von über vier Prozent auf rund 3,5 Prozent zurückgegangen sind. Gleichzeitig haben sich die Materialpreise stabilisiert, und die Bundesregierung hat mit dem Programm „Junges Wohnen“ und einer erweiterten KfW-Förderung gezielt Impulse gesetzt. Die Kombination aus niedrigeren Finanzierungskosten und staatlichen Anreizen macht Bauvorhaben wieder rechnerisch darstellbar.
Warum der Aufschwung nicht reicht
Trotz des deutlichen Anstiegs bleibt das Niveau der Baugenehmigungen weit unter dem, was der angespannte Wohnungsmarkt erfordern würde. Die Bundesregierung hat 400.000 neue Wohnungen pro Jahr als Ziel ausgegeben. Hochgerechnet auf zwölf Monate ergeben die Zahlen der ersten fünf Monate 2026 rund 250.000 Genehmigungen, und von der Genehmigung bis zur Fertigstellung vergehen im Schnitt zwei bis drei Jahre.
Der Deutsche Mieterbund warnt, dass der Genehmigungsanstieg allein die Wohnungsnot nicht lösen werde. Viele genehmigte Projekte würden erst 2028 oder 2029 bezugsfertig. In Großstädten wie München, Berlin und Hamburg fehlen laut Pestel-Institut bereits heute über 700.000 Wohnungen. Der Stau bei den Baufertigstellungen hat sich in den vergangenen Jahren aufgebaut und lässt sich nicht innerhalb eines Quartals abbauen.
Wer vom Trend profitiert
Am stärksten wachsen die Genehmigungen bei Mehrfamilienhäusern. Das zeigt, dass institutionelle Bauträger und Wohnungsbaugesellschaften wieder investieren. Für private Bauherren, die ein Einfamilienhaus planen, ist die Erholung weniger ausgeprägt: Der Zuwachs von 12,6 Prozent bei Einfamilienhäusern liegt unter dem Gesamtdurchschnitt und reflektiert die nach wie vor hohen Gesamtkosten eines Eigenheimprojekts.
Auch Zweifamilienhäuser verzeichnen mit 21,6 Prozent einen starken Anstieg. Dieses Segment profitiert von der wachsenden Nachfrage nach generationenübergreifendem Wohnen und der Möglichkeit, eine Einliegerwohnung zur Teilfinanzierung zu vermieten. Die Bauwirtschaft selbst meldet volle Auftragsbücher bei gleichzeitigem Fachkräftemangel, was die Bauzeiten weiter verlängern dürfte.
Regionale Unterschiede beim Genehmigungsanstieg
Der Aufschwung bei den Baugenehmigungen verteilt sich ungleichmäßig über die Bundesländer. In Bayern und Baden-Württemberg liegt der Zuwachs über dem Bundesdurchschnitt, getragen von der höheren Kaufkraft und einer starken Nachfrage in den Ballungsräumen München, Stuttgart und Nürnberg. In den ostdeutschen Flächenländern fällt der Anstieg dagegen schwächer aus, weil die Bevölkerungsentwicklung in vielen Regionen rückläufig ist und institutionelle Investoren dort weniger Projekte planen.
Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, verzeichnet einen Anstieg von rund 14 Prozent bei den Mehrfamilienhausgenehmigungen. Die Städte Köln, Düsseldorf und Dortmund profitieren von ihrer Rolle als Zuzugsregionen. In ländlichen Gebieten dagegen stagniert die Bautätigkeit, weil die Nachfrage nach Fachkräften im Bauhandwerk dort besonders schwer zu decken ist und die Grundstückspreise allein keinen ausreichenden Anreiz für Neubauprojekte bieten.
Wie es weitergeht
Die nächsten Baugenehmigungszahlen des Statistischen Bundesamts für Juni 2026 erscheinen im August. Erste Schätzungen des Architekturportals baulinks.de deuten auf einen Anstieg von 13,8 Prozent hin, was den positiven Trend bestätigen würde, wenn auch auf niedrigerem Niveau als im Mai. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist die Zinsentwicklung: Sollte die EZB den Leitzins im September erneut senken, dürfte das die Baugenehmigungen weiter stützen.
Die Bundesregierung hat für den Herbst 2026 ein Wohnungsbau-Beschleunigungsgesetz angekündigt, das Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen soll. Ob diese Maßnahme den Abstand zwischen Genehmigung und Fertigstellung tatsächlich verringert, wird sich frühestens 2027 zeigen.
Häufige Fragen
Wie viele Baugenehmigungen wurden 2026 bisher erteilt?
Von Januar bis Mai 2026 hat das Statistische Bundesamt 104.700 Baugenehmigungen für Wohnungen gezählt. Das sind 15,4 Prozent oder 13.900 Genehmigungen mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Neubau entfielen allein 86.000 auf Wohngebäude.
Warum steigen die Baugenehmigungen wieder?
Der Anstieg geht auf drei Faktoren zurück: gesunkene Bauzinsen nach den EZB-Leitzinssenkungen seit Herbst 2024, stabilisierte Materialpreise und staatliche Förderprogramme wie die erweiterte KfW-Förderung und das Programm „Junges Wohnen“. Institutionelle Bauträger investieren wieder verstärkt in Mehrfamilienhäuser.
Reichen die Baugenehmigungen für den Wohnungsmarkt?
Nein. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ergeben sich rund 250.000 Genehmigungen, deutlich unter dem Regierungsziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Zudem dauert es von der Genehmigung bis zur Fertigstellung im Schnitt zwei bis drei Jahre. Der Wohnungsmangel in Großstädten wird sich kurzfristig nicht entspannen.
Quellen:
Statistisches Bundesamt, Baugenehmigungen Mai 2026,
Architekturblatt, Juni-Schätzung