Die Vereinigten Staaten haben nach Angaben von Präsident Donald Trump ein Abkommen mit Venezuela über die Kontrolle von 65 Milliarden Barrel Ölreserven geschlossen. Der Deal umfasst 17 Ölfelder, Entwicklungsrechte über 100 Jahre und ein geplantes Investitionsvolumen von 100 Milliarden US-Dollar.
- Die USA sichern sich laut Trump Zugriff auf 65 Milliarden Barrel Öl in Venezuela, verteilt auf 17 Förderfelder mit 100 Jahren Laufzeit.
- Venezuela erhält im Gegenzug geschätzte 209 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen und Investitionen von rund 100 Milliarden Dollar in die marode Infrastruktur.
- Die US-Seite bekommt 55 Prozent der effektiven Fördermenge, einschließlich eines Eigentümeranteils und des Rechts, Öl zum Selbstkostenpreis zu kaufen.
- Venezuela besitzt mit 303 Milliarden Barrel die größten nachgewiesenen Ölreserven weltweit, fördert aber derzeit nur rund ein Prozent der globalen Produktion.
Was hinter dem Abkommen steckt
US-Präsident Donald Trump hat am 28. August 2026 ein Ölabkommen mit Venezuela angekündigt, das er als den „größten Öl-Deal der Weltgeschichte“ bezeichnete. Ausgehandelt haben die Vereinbarung Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Venezuelas amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez.
Das Abkommen sieht vor, dass eine neu gegründete private Gesellschaft Entwicklungsrechte über 100 Jahre für 17 venezolanische Ölfelder erhält. Die USA bekommen einen effektiven Anteil von 55 Prozent an der Fördermenge, der sich aus einem Eigentümeranteil und dem Recht auf Ölkäufe zum Selbstkostenpreis zusammensetzt. Venezuela soll über die gesamte Laufzeit geschätzte 209 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen erhalten.
Die Zahlen hinter dem Deal
Die wirtschaftliche Dimension des Abkommens wird erst im Kontext der aktuellen Marktlage deutlich. Die strategische Erdölreserve der USA ist bis Anfang August 2026 unter 300 Millionen Barrel gefallen. Gleichzeitig liegt der durchschnittliche US-Benzinpreis bei 4,09 Dollar pro Gallone, verglichen mit 3,21 Dollar ein Jahr zuvor.
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Nachgewiesene Ölreserven Venezuelas | 303 Milliarden Barrel (47,7 Mrd. Tonnen) | DERA, Februar 2026 |
| Anteil Schwer- und Schwerstöl | rund 90 Prozent (Orinoco-Gürtel) | DERA, Februar 2026 |
| Vom Deal umfasste Reserven | 65 Milliarden Barrel | NPR, August 2026 |
| Geplantes Investitionsvolumen | 100 Milliarden US-Dollar | NPR, August 2026 |
| US-Benzinpreis (Durchschnitt) | 4,09 US-Dollar je Gallone | NPR, August 2026 |
| US-Strategische Reserve | unter 300 Millionen Barrel | NPR, August 2026 |
Venezuelas Ölindustrie: Größte Reserven, minimale Förderung
Venezuela verfügt mit rund 303 Milliarden Barrel über die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven. Das südamerikanische Land hält damit etwa 17 Prozent der globalen Vorkommen. Trotzdem liegt Venezuelas Anteil an der weltweiten Ölproduktion bei nur rund einem Prozent.
Rund 90 Prozent der venezolanischen Reserven bestehen aus Schwer- und Schwerstöl aus dem Orinoco-Ölgürtel (Deutsche Rohstoffagentur DERA, Stand Februar 2026). Dieses Öl liegt in Tiefen zwischen 250 und 1200 Metern und erfordert spezielle Raffinerien zur Verarbeitung, da es einen hohen Schwefel- und Metallgehalt aufweist. Seit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch 2017 ist die venezolanische Förderung massiv eingebrochen. Im Jahr 2020 lag die Produktion bei nur noch rund 27 Millionen Tonnen, einem Bruchteil des Höchststands aus dem Jahr 1970.
Die schrittweise Erholung der vergangenen Jahre war nur durch iranische Diluenten-Lieferungen und technische Unterstützung der chinesischen Ölgesellschaft CNPC möglich. Genau diese Abhängigkeit von China und Iran dürfte ein zentrales Motiv der US-Regierung für das Abkommen sein.
Wer von dem Abkommen betroffen ist
Die Auswirkungen des Deals betreffen mehrere Seiten. Für US-Verbraucher könnte mittelfristig eine Entlastung bei den Benzinpreisen eintreten, sofern die Förderung tatsächlich hochgefahren wird. Die strategische Ölreserve der Vereinigten Staaten, die unter 300 Millionen Barrel gesunken ist, soll mit venezolanischem Öl wieder aufgefüllt werden.
Für die internationale Ölbranche bleibt Venezuela ein schwieriges Terrain. ExxonMobil-Chef Darren Woods bezeichnete das Land als „nicht investierbar“ und verwies auf politische Unsicherheit und marode Infrastruktur. Andere Branchenvertreter äußerten sich vorsichtig interessiert, betonten jedoch die erheblichen technischen Hürden.
Für Venezuela selbst stehen geschätzte 209 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen über die Laufzeit des Vertrags in Aussicht. Die amtierende Regierung unter Delcy Rodríguez verhandelte das Abkommen neun Monate nach der Festnahme des ehemaligen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte. Maduro befindet sich weiterhin in US-Gewahrsam und ist wegen Narkoterrorismus angeklagt.
Wie es weitergeht
Fachleute warnen, dass ein spürbarer Anstieg der venezolanischen Ölförderung Jahre dauern und Milliarden an Infrastrukturinvestitionen erfordern wird. Die bestehenden Förderanlagen sind durch jahrelange Unterfinanzierung und Missmanagement schwer beschädigt. Der Aufbau neuer Kapazitäten im Orinoco-Gürtel verlangt zudem spezielle Aufbereitungstechnik für das schwere Rohöl, über die nur wenige Raffinerien weltweit verfügen.
Offen bleibt, welche US-Unternehmen die Förderung übernehmen werden. Die angekündigte private Gesellschaft ist bisher nicht näher benannt worden. Ebenso ungeklärt ist die Frage, wie sich das Abkommen auf die bestehenden Liefer- und Kreditvereinbarungen Venezuelas mit China und Russland auswirkt, die bislang einen Großteil der Ölexporte abnehmen.
Das Abkommen markiert einen Wendepunkt in der US-Energiepolitik gegenüber Lateinamerika. Nach der militärischen Intervention in Venezuela Anfang 2026 und der Festnahme Maduros sichern sich die USA nun wirtschaftlichen Zugriff auf die weltweit größten Ölreserven. Ob der Deal langfristig die Energiepreise in den USA senkt, hängt davon ab, wie schnell die marode venezolanische Infrastruktur wiederaufgebaut werden kann. Die Bezeichnung als „größter Öl-Deal der Geschichte“ ist angesichts von 65 Milliarden Barrel zumindest quantitativ nachvollziehbar, doch die technischen und politischen Risiken bleiben erheblich.
Häufige Fragen
Wie viel Öl hat Venezuela insgesamt?
Venezuela besitzt mit rund 303 Milliarden Barrel die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Das entspricht etwa 17 Prozent der globalen Vorkommen. Rund 90 Prozent davon sind Schwer- und Schwerstöl aus dem Orinoco-Ölgürtel, das aufwendige Verarbeitung erfordert.
Warum kann Venezuela trotz riesiger Reserven kaum Öl fördern?
Die venezolanische Ölindustrie ist seit 2017 durch Wirtschaftskrise, internationale Sanktionen und fehlende Investitionen in die Infrastruktur weitgehend zusammengebrochen. Die Förderung fiel auf rund ein Prozent der weltweiten Produktion. Der Wiederaufbau erfordert Milliarden und Jahre.
Wann wird das Öl aus dem Deal tatsächlich fließen?
Fachleute rechnen mit mehreren Jahren bis zu einem spürbaren Produktionsanstieg. Zunächst müssen bestehende Anlagen saniert und neue Aufbereitungskapazitäten für das schwere Rohöl aufgebaut werden. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 100 Jahren.
Quellen:
NPR,
Deutsche Rohstoffagentur (DERA)