Hamburg hat knapp 1,9 Millionen Einwohner und ist nach Berlin die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Wer nur drei Tage Zeit hat, muss priorisieren. Wer eine Woche bleibt, kann tiefer graben. In beiden Fällen lohnt es sich, die Stadt nicht als eine einzige Sehenswürdigkeit zu behandeln, sondern Viertel für Viertel zu erschließen.
Die Viertel jenseits der Postkartenmotive
Die Speicherstadt und die HafenCity sind für viele Besucher der erste Anlaufpunkt. Das ist verständlich, aber wer dabei bleibt, verpasst einiges. Die HafenCity ist ein relativ junges Stadtentwicklungsprojekt, das seit 2001 auf ehemaligem Hafengelände wächst. Architektonisch interessant, aber an Wochentagen eher leer. Die Speicherstadt dahinter, seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe, ist dichter und lebendiger.
Wer Hamburg wirklich spüren will, fährt nach Ottensen oder Altona. Ottensen ist ein Arbeiterviertel, das sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat, ohne dabei vollständig gentrifiziert zu wirken. Die Bahrenfelder Straße, die Ottenser Hauptstraße und der Spritzenplatz bieten eine Mischung aus unabhängigen Läden, Cafés und Wochenmärkten. Dienstags und donnerstags findet auf dem Spritzenplatz ein kleiner Markt statt.
Eimsbüttel nördlich davon ist ruhiger, bürgerlicher und gilt als begehrte Wohngegend. Das Viertel rund um den Eppendorfer Baum und den Isemarkt, dem längsten U-Bahn-Wochenmarkt Europas mit über 200 Ständen, ist an Freitagen und Samstagen besonders sehenswert.
Der Hafen: mehr als Hafenrundfahrt
Der Hamburger Hafen ist der drittgrößte in Europa und einer der größten der Welt. Täglich laufen hier hunderte Schiffe ein und aus. Eine klassische Hafenrundfahrt dauert etwa eine Stunde und kostet je nach Anbieter zwischen 15 und 25 Euro. Das ist durchaus lohnend, reicht aber nicht aus.
Wer den Hafen wirklich verstehen will, fährt am frühen Morgen zum Fischmarkt. Der Altonaer Fischmarkt öffnet sonntags bereits um 5 Uhr, im Sommer sogar ab 4 Uhr. Bis 9:30 Uhr herrscht dort ein Betrieb, der mit nichts anderem in der Stadt vergleichbar ist. Fischverkäufer, die mit Lautstärke arbeiten, Touristen, die noch von der Nacht auf den Beinen sind, Frühaufsteher aus dem Viertel. Es ist lauter als ein Konzert und echter als die meisten Sehenswürdigkeiten.
Vom Fischmarkt aus lässt sich die Elbe auf dem Elbdeich entlang Richtung Övelgönne ablaufen. An diesem Abschnitt liegt das Museumshafen Övelgönne, ein Freilichtmuseum mit historischen Schiffen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Der Eintritt ist kostenlos. Der Sandstrand dahinter gehört zu den wenigen Badestellen an der Elbe, die von Hamburgern tatsächlich genutzt werden.
Praktische Orientierung für die Reiseplanung
Hamburg ist nicht besonders fußläufig erschlossen. Die Abstände zwischen den Vierteln sind größer als in vielen anderen deutschen Städten. Die U- und S-Bahn decken den zentralen Bereich gut ab, aber für Randlagen wie Bergedorf oder Blankenese braucht man Zeit. Das Hamburg Guide bietet eine strukturierte Übersicht über Stadtviertel, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele, die bei der ersten Orientierung helfen kann.
Ein Hamburger Stadtticket für einen Tag kostet je nach Zone zwischen 7 und 13 Euro. Das Gesamtnetz des HVV umfasst S-Bahn, U-Bahn, Bus und Fähre. Besonders die Linie 62, die sogenannte Alsterfähre, ist unterschätzt. Sie verbindet das Stadtzentrum mit Eppendorf und Winterhude und ist gleichzeitig eine günstige Alternative zur Bootsfahrt auf der Alster.
Tagesausflüge ab Hamburg
Wer mehr als drei Tage in der Stadt verbringt, sollte die Umgebung einplanen. Lüneburg liegt 50 Kilometer südöstlich und ist mit dem Regionalzug in etwa 35 Minuten erreichbar. Die Altstadt ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtstrukturen Norddeutschlands, was unter anderem daran liegt, dass die Stadt nie ausgebombt wurde. Das Salz, das hier über Jahrhunderte abgebaut wurde, hat die Wirtschaft der Region geprägt und gleichzeitig den Untergrund so destabilisiert, dass viele Gebäude heute schräg stehen.
Stade liegt westlich der Elbe, etwa 50 Kilometer entfernt, und ist mit der S-Bahn in einer guten Stunde zu erreichen. Die schwedische Altstadt aus dem 17. Jahrhundert ist kompakt, gut erhalten und deutlich weniger touristisch als vergleichbare Orte. Der Hansehafen mit den alten Kaufmannsgebäuden ist ein konkreter Anlaufpunkt.
Wer küstennahe Luft sucht, fährt nach Cuxhaven. Von Hamburg aus dauert die Fahrt mit dem Regionalzug etwa 90 Minuten. Der Strand bei Duhnen und das Watt bei Ebbe sind das Hauptargument. Wattführungen kosten zwischen 8 und 15 Euro und dauern meist zwei bis drei Stunden.
Elbphilharmonie: lohnt sich der Aufwand?
Die Elbphilharmonie ist seit ihrer Eröffnung 2017 zu einem Symbol der Stadt geworden. Das Gebäude, entworfen von Herzog und de Meuron, steht auf einem ehemaligen Kakaospeicher aus den 1960er Jahren. Die öffentliche Plaza auf dem Dach ist kostenlos zugänglich, allerdings ist eine Reservierung online notwendig. Die Aussicht auf den Hafen und die Elbe ist bei klarem Wetter außergewöhnlich.
Wer ein Konzert besuchen will, sollte frühzeitig planen. Die Veranstaltungen sind oft Monate im Voraus ausverkauft, besonders für das Große Saal-Programm. Restkarten gibt es bisweilen an der Tageskasse, aber verlassen sollte man sich darauf nicht. Karten beginnen je nach Veranstaltung bei etwa 15 Euro, gehen aber auch schnell in den dreistelligen Bereich.
Was man in Hamburg überschätzen kann
Die Reeperbahn hat einen Ruf, der mit der heutigen Realität nur teilweise übereinstimmt. Das St.-Pauli-Viertel ist interessant, aber die Reeperbahn selbst ist vor allem an Wochenenden überlaufen und teuer. Wer das Nachtleben sucht, ist auf den Nebenstraßen besser aufgehoben, etwa auf der Große Freiheit oder im Golden Pudel Club am Fischmarkt.
Miniatur Wunderland hingegen ist tatsächlich das, was es verspricht: die größte Modelleisenbahn der Welt mit über 1.600 Zügen und 16.000 Metern Gleis. Der Eintrittspreis von 20 Euro für Erwachsene ist angemessen für das, was geboten wird. Tickets sollten weit im Voraus gebucht werden, da Wartezeiten ohne Reservierung mehrere Stunden betragen können.
Hamburg funktioniert am besten, wenn man aufhört, es als Kulisse zu betrachten, und anfängt, sich darin zu bewegen. Das kostet Zeit, aber die ist hier gut angelegt.