Die Deutsche Bundesbank fordert, das europäische Bezahlsystem Wero und den geplanten digitalen Euro nicht als Konkurrenten zu behandeln, sondern gezielt zu verzahnen. Wero hat im April 2026 die Marke von 52 Millionen Nutzern überschritten und soll ab der zweiten Jahreshälfte 2026 auch an der Ladenkasse funktionieren. Der digitale Euro der Europäischen Zentralbank (EZB) wird frühestens 2029 kommen.
- Die Bundesbank will Wero und den digitalen Euro als sich ergänzende Bausteine der europäischen Zahlungssouveränität positionieren.
- Wero zählt 52 Millionen registrierte Nutzer und hat bereits 7,5 Milliarden Euro an Transaktionen abgewickelt (EPI, Stand April 2026).
- Der digitale Euro soll laut aktuellem EU-Zeitplan frühestens 2029 starten, die Gesetzgebung läuft noch.
- Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt, die Online-Version des digitalen Euro könnte durch den geplanten Annahmezwang zur unfairen Konkurrenz für Wero werden.
Was die Bundesbank fordert
Die Deutsche Bundesbank hat sich in einem Gastbeitrag klar positioniert: Europa brauche ein eigenes digitales Zahlungsmittel, um nicht dauerhaft von US-amerikanischen Anbietern abhängig zu bleiben. Das Bezahlsystem Wero und der digitale Euro verfolgten zwar unterschiedliche Ansätze, sollten aber aufeinander abgestimmt werden. Die Bundesbank spricht von einer strategischen Verzahnung, bei der Wero den privatwirtschaftlichen Kanal abdeckt und der digitale Euro als öffentliches Zahlungsmittel die Lücken füllt, die der Markt nicht schließt.
Hintergrund der Forderung ist die Marktdominanz von Visa und Mastercard bei grenzüberschreitenden Kartenzahlungen in der EU. Neun EU-Länder verfügen nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) noch über ein eigenes nationales Kartensystem. Die übrigen sind bei inländischen Kartenzahlungen vollständig auf die beiden US-Konzerne angewiesen (IW-Kurzbericht 25/2026).
Wero in Zahlen: 52 Millionen Nutzer und 7,5 Milliarden Euro Volumen
Das europäische Bezahlsystem Wero hat sich seit dem Online-Rollout Ende 2025 schneller verbreitet als von vielen Beobachtern erwartet. Im April 2026 meldete die European Payments Initiative (EPI) 52 Millionen registrierte Nutzer. Das Transaktionsvolumen lag zu diesem Zeitpunkt bei 7,5 Milliarden Euro (EPI, Stand April 2026).
Hinter Wero stehen 16 europäische Großbanken und Zahlungsdienstleister. Über die EuroPA-Alliance-Partnerschaften, zu der unter anderem die niederländische iDEAL-Plattform gehört, erreicht das System potenziell 130 Millionen Nutzer in 13 Ländern. Aktiv ist Wero derzeit in Deutschland, Frankreich und Belgien. Die Integration in den Niederlanden und Luxemburg läuft, Österreich steht als nächster Markt im Fokus.
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Registrierte Nutzer | 52 Millionen | EPI, April 2026 |
| Transaktionsvolumen | 7,5 Milliarden Euro | EPI, April 2026 |
| Beteiligte Banken | 16 Großbanken | EPI, 2026 |
| Potenzielle Reichweite (EuroPA) | 130 Mio. Nutzer in 13 Ländern | EPI, 2026 |
| Geschätzte Händlergebühr Wero | ca. 0,7 Prozent | Branchenschätzung, 2026 |
| Händlergebühr internationale Karten | 1 bis 3 Prozent | EPI/Branchendaten, 2026 |
Ein wesentlicher Vorteil für Händler: Die Gebühren bei Wero liegen nach Branchenschätzungen bei rund 0,7 Prozent pro Transaktion. Internationale Kartensysteme verlangen dagegen zwischen einem und drei Prozent, manche digitale Wallets sogar über 3,5 Prozent. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 soll Wero auch am Point of Sale nutzbar sein, also an der Ladenkasse im stationären Handel. Die Migration niederländischer Händler auf das System ist bis Mitte 2027 geplant.
Digitaler Euro: Der lange Weg bis 2029
Der digitale Euro der EZB befindet sich in der Vorbereitungsphase. Nach dem aktuellen EU-Zeitplan wird die Verordnung zum digitalen Euro frühestens 2027 verabschiedet. Eine tatsächliche Einführung ist damit nicht vor 2029 realistisch. Die EZB hat die technische Entwicklung in mehrere Phasen aufgeteilt, wobei zunächst eine Offline-Variante für Zahlungen ohne Internetzugang im Vordergrund steht.
Der digitale Euro soll als digitales Bargeld funktionieren: von der Zentralbank herausgegeben, gesetzliches Zahlungsmittel, nutzbar ohne Bankkonto. Anders als bei Wero ist ein Annahmezwang für Händler vorgesehen, vergleichbar mit der Pflicht zur Bargeldannahme. Genau dieser Punkt sorgt für Kritik aus der Privatwirtschaft.
Die Kritik: Unfaire Konkurrenz durch Annahmezwang
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einem aktuellen Kurzbericht die Wettbewerbssituation zwischen Wero und dem digitalen Euro untersucht. Ergebnis: Die geplante Online-Version des digitalen Euro stellt nach Einschätzung des IW eine unfaire Konkurrenz zu Wero dar. Während Wero sich am Markt behaupten müsse, profitiere der digitale Euro von einem gesetzlichen Annahmezwang.
Das IW empfiehlt deshalb eine stufenweise Einführung. Zunächst solle ausschließlich die Offline-Version des digitalen Euro kommen, die eine echte Lücke füllt: Zahlungen ohne Internetverbindung, ähnlich wie physisches Bargeld. Die Online-Version solle die EZB erst dann einführen, wenn sich zeige, dass keine privatwirtschaftliche europäische Lösung diese Funktion übernehmen könne. Die Bundesbank stützt diese Position und betont, dass beide Systeme sich ergänzen statt kannibalisieren sollten.
Wer profitiert und wer unter Druck gerät
Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland ändert sich kurzfristig wenig. Wero funktioniert bisher vor allem als Peer-to-Peer-Zahlungssystem, also für Überweisungen zwischen Privatpersonen in Echtzeit. Mit dem Point-of-Sale-Start in der zweiten Jahreshälfte 2026 wird Wero erstmals zur echten Alternative an der Ladenkasse.
Unter Druck geraten vor allem Visa und Mastercard. Die beiden US-Konzerne kontrollieren den Großteil der grenzüberschreitenden Kartenzahlungen in Europa. Neun EU-Länder betreiben zwar noch eigene nationale Systeme, aber Spanien, Malta und Slowenien haben ihre nationalen Netzwerke bereits auf ein einziges System reduziert. Wero ist der erste ernstzunehmende Versuch, eine gesamteuropäische privatwirtschaftliche Alternative aufzubauen.
Für Händler ist die Gebührenstruktur der entscheidende Faktor. In den Niederlanden zeigt das Vorbild iDEAL, wie eine nationale Lösung den Markt dominieren kann: Das System hält dort rund 70 Prozent Marktanteil im E-Commerce (EPI, Stand 2026). Wero will diesen Erfolg auf ganz Europa übertragen.
Was als Nächstes passiert
Der Zeitplan für die kommenden Monate ist dicht. Wero plant den Start am Point of Sale in der zweiten Jahreshälfte 2026. Die niederländischen Händler sollen bis Mitte 2027 migriert werden. Parallel dazu verhandelt die EU weiter über die Verordnung zum digitalen Euro, eine Verabschiedung wird frühestens 2027 erwartet.
Die Bundesbank drängt darauf, die Weichen jetzt zu stellen. Wenn Wero bis 2029 eine kritische Masse an Händlern und Nutzern erreicht hat, wäre der digitale Euro in seiner Online-Version möglicherweise nicht mehr nötig, so die Argumentation der Befürworter eines gestuften Ansatzes. Die EZB hält dagegen an ihrem Fahrplan fest und sieht den digitalen Euro als komplementäres Angebot, nicht als Ersatz für privatwirtschaftliche Lösungen.
Die Debatte um Wero und den digitalen Euro ist im Kern eine Frage der europäischen Souveränität im Zahlungsverkehr. Europa hat bei digitalen Zahlungen eine strategische Abhängigkeit von US-Konzernen aufgebaut, die politisch zunehmend als Risiko bewertet wird. Die Bundesbank-Forderung nach Verzahnung ist ein pragmatischer Mittelweg: Wero deckt den Markt ab, der digitale Euro sichert den öffentlichen Auftrag. Ob dieser Kompromiss hält, entscheidet sich in den nächsten drei Jahren.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wero und dem digitalen Euro?
Wero ist ein privatwirtschaftliches Bezahlsystem, getragen von 16 europäischen Großbanken. Der digitale Euro ist ein Projekt der Europäischen Zentralbank und soll als digitales Pendant zum Bargeld funktionieren, herausgegeben von der Zentralbank und mit gesetzlichem Zahlungsmittel-Status. Wero ist bereits aktiv, der digitale Euro wird frühestens 2029 eingeführt.
Kann ich schon mit Wero an der Ladenkasse bezahlen?
Noch nicht. Wero funktioniert derzeit vor allem als Echtzeit-Überweisungssystem zwischen Privatpersonen. Der Start am Point of Sale, also an der Ladenkasse, ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. In den Niederlanden sollen Händler bis Mitte 2027 auf das System umgestellt werden.
Warum kritisiert das IW den digitalen Euro?
Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht in der geplanten Online-Version des digitalen Euro eine unfaire Konkurrenz für privatwirtschaftliche Anbieter wie Wero. Der Grund: Für den digitalen Euro ist ein gesetzlicher Annahmezwang vorgesehen, während Wero sich ohne diesen Vorteil am Markt durchsetzen muss. Das IW empfiehlt, zunächst nur die Offline-Variante einzuführen.
Quellen:
heise online,
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)