Der Klimaresilienz-Index der deutschen Wasserversorgung ist im Jahr 2026 auf 48 von 100 Punkten gesunken. Damit liegt der Wert einen Punkt unter dem Ergebnis der Erstbefragung von 2025. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) sieht in dem Rückgang ein Zeichen dafür, dass die Anpassung an den Klimawandel langsamer vorankommt als nötig.
- Der DVGW-Klimaresilienz-Index fällt 2026 auf 48 von 100 Punkten (Vorjahr: 49 Punkte).
- Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen die Anpassung an den Klimawandel.
- Für die kommenden zehn Jahre rechnet der DVGW mit einem zusätzlichen Investitionsbedarf von 3,2 bis 13,5 Milliarden Euro.
- Die Dimension „Rechtlicher Rahmen“ schneidet mit 38 Punkten am schwächsten ab.
Was der Klimaresilienz-Index misst
Der DVGW-Klimaresilienz-Index erfasst seit 2025, wie gut deutsche Wasserversorger auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind. Für die Erhebung 2026 befragte das Forschungskonsortium aus DVGW, dem IWW Zentrum Wasser, prolytics Marktforschung und der Fichtner Management Consulting AG insgesamt 227 Führungskräfte deutscher Trinkwasserversorger. Der Index beruht auf 50 Indikatoren in fünf Themenbereichen und wird nach Wasserabgabe gewichtet, sodass größere Versorger stärker ins Ergebnis einfließen.
DVGW-Vorstand Dr. Wolf Merkel ordnete die Ergebnisse ein: „Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient.“ Gleichzeitig betonte Merkel, dass der Anpassungsdruck spürbar wachse und die Branche schneller handeln müsse.
Die fünf Dimensionen im Überblick
Der Index teilt die Klimaresilienz in fünf Dimensionen auf. Jede Dimension wird auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Die Ergebnisse für 2026 zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen.
| Dimension | Punktwert 2026 | Einordnung |
|---|---|---|
| Robustheit | 61 | Stärkster Bereich |
| Anpassungsgrad | 54 | Leicht überdurchschnittlich |
| Zukunftsperspektive | 46 | Unter dem Gesamtindex |
| Handlungsfähigkeit | 43 | Deutlich unter 50 |
| Rechtlicher Rahmen | 38 | Schwächster Bereich |
Die Robustheit der bestehenden Infrastruktur erreicht mit 61 Punkten den höchsten Wert. Deutsche Wasserwerke und Leitungsnetze sind grundsätzlich in einem funktionsfähigen Zustand. Deutlich schlechter fällt der rechtliche Rahmen mit nur 38 Punkten aus. Wasserversorger bemängeln vor allem langwierige Genehmigungsverfahren für neue Brunnen, Speicher und Aufbereitungsanlagen.
Milliarden-Investitionen für den Klimaschutz der Wasserversorgung
Der finanzielle Aufwand für die Klimaanpassung ist erheblich. Eine im November 2025 veröffentlichte DVGW-Klimakostenstudie beziffert den zusätzlichen Investitionsbedarf auf 3,2 bis 13,5 Milliarden Euro innerhalb der kommenden zehn Jahre (DVGW-Klimakostenstudie, Stand November 2025). Die Spanne ergibt sich aus den unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der vier untersuchten Versorgertypen: von der großstädtischen Versorgung bis zum ländlichen Gemeindewerk.
Aktuell investiert die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland rund 4,5 Milliarden Euro jährlich (DVGW, Stand November 2025). Die klimabedingten Zusatzinvestitionen machen je nach Versorger zwischen 7 und 30 Prozent der Gesamtinvestitionen aus. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Versorgungssicherheit bei klimabedingten Spitzenlastphasen, auf Hochwasserschutz und auf dem Schutz von Trinkwasserressourcen.
Fachkräftemangel als größtes strukturelles Risiko
Die befragten Führungskräfte benennen den Fachkräftemangel als größte Hürde für die Klimaanpassung. Qualifiziertes Personal für Planung, Bau und Betrieb von Wasserinfrastruktur wird zunehmend knapp. Der demografische Wandel verstärkt das Problem, weil erfahrene Fachleute in den Ruhestand gehen, während der Nachwuchs fehlt.
Die Handlungsfähigkeit der Versorger erreicht mit 43 Punkten einen der niedrigsten Werte im Index. Neben dem Personalmangel tragen auch bürokratische Hürden dazu bei. Genehmigungsverfahren für neue Wassergewinnungsanlagen dauern nach Angaben der Branche oft mehrere Jahre. In dieser Zeit verschärft sich der Druck durch sinkende Grundwasserspiegel und steigende Nachfrage in Hitzeperioden.
Wie Versorger reagieren: Das Beispiel Düsseldorf
Einzelne Wasserversorger investieren bereits gezielt in die Klimaanpassung. Dr. Verena Svensson, Leiterin der Wasserversorgung bei den Stadtwerken Düsseldorf, berichtete anlässlich der Indexveröffentlichung von regelmäßigen Resilienzanalysen und dem Bau eines neuen Trinkwasserspeichers. Solche Maßnahmen sollen die Versorgungssicherheit auch bei anhaltender Trockenheit gewährleisten.
Niedrigwasser, ausgetrocknete Böden und regionale Einschränkungen bei der Wassernutzung haben in den vergangenen Jahren wiederholt gezeigt, dass die bisherige Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Der DVGW-Index dokumentiert diese Entwicklung erstmals systematisch und ermöglicht einen Vergleich über die Jahre hinweg.
Der Rückgang des DVGW-Klimaresilienz-Index von 49 auf 48 Punkte wirkt auf den ersten Blick gering. Entscheidend ist jedoch, dass der Wert trotz wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit und steigender Investitionen nicht gestiegen ist. Die drei Stellschrauben der Wasserresilienz, nämlich schnellere Genehmigungen, mehr Fachkräfte und höhere Investitionen, greifen offenbar noch nicht ausreichend ineinander. Solange der rechtliche Rahmen mit 38 Punkten den schwächsten Teilindex bildet, bleibt die Anpassungsgeschwindigkeit hinter dem Bedarf zurück. Der Index wird als Wiederholungsmessung künftig zeigen, ob die angekündigten Milliarden-Investitionen tatsächlich zu einer messbaren Verbesserung führen.
Häufige Fragen zum DVGW-Klimaresilienz-Index 2026
Was ist der DVGW-Klimaresilienz-Index?
Der Klimaresilienz-Index ist eine jährliche Erhebung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Der Index misst anhand von 50 Indikatoren in fünf Themenbereichen, wie gut deutsche Wasserversorger auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind. Die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten. Im Jahr 2026 erreichte der Gesamtindex 48 Punkte.
Warum ist der Index im Vergleich zum Vorjahr gesunken?
Der Rückgang von 49 auf 48 Punkte spiegelt vor allem die verschlechterte Bewertung in den Bereichen Handlungsfähigkeit und rechtlicher Rahmen wider. Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen die Anpassungsmaßnahmen. Gleichzeitig ist das natürliche Wasserdargebot in einigen Regionen weiter zurückgegangen.
Was kostet die Klimaanpassung der Wasserversorgung?
Die DVGW-Klimakostenstudie von November 2025 rechnet mit einem zusätzlichen Investitionsbedarf von 3,2 bis 13,5 Milliarden Euro über die kommenden zehn Jahre. Aktuell fließen jährlich rund 4,5 Milliarden Euro in die öffentliche Wasserversorgung. Klimabedingte Zusatzkosten machen 7 bis 30 Prozent der Gesamtinvestitionen aus.
Quellen:
DVGW-Pressemitteilung zum Klimaresilienz-Index 2026,
DVGW-Klimakostenstudie 2025