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KfW-Studie: Jeder Euro Entwicklungshilfe bringt 2,50 Euro Exportwachstum

Wirtschaft

Jeder Euro, den Deutschland in die Entwicklungszusammenarbeit investiert, steigert die deutschen Warenexporte um 2,50 Euro. Das zeigt eine am 24. August 2026 veröffentlichte Studie der Universität Göttingen im Auftrag der KfW Bankengruppe, die den Zeitraum von 2005 bis 2024 auswertet und dabei erstmals auch Dienstleistungsexporte einbezieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder staatlich investierte Euro in Partnerländern zieht 2,50 Euro an deutschen Warenexporten nach sich (KfW/Universität Göttingen, Stand August 2026).
  • Rund 380.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen an der Entwicklungszusammenarbeit, vor allem in Maschinenbau, Transport und IT.
  • Der BMZ-Etat sinkt 2026 auf 9,94 Milliarden Euro, ein Minus von 340 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr (Bundestag, Stand Juli 2026).
  • Deutschland verfehlt mit einer ODA-Quote von 0,56 Prozent erneut das UN-Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BMZ, Stand 2025).

Was die neue KfW-Studie zeigt

Die Universität Göttingen hat im Auftrag der KfW Bankengruppe untersucht, wie stark die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf die heimische Exportwirtschaft zurückwirkt. Die Forschungsgruppe analysierte dafür Handelsströme zwischen Deutschland und den Partnerländern über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten, von 2005 bis 2024. Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Mit jedem Euro, den Deutschland direkt in einem Partnerland investiert, steigen die deutschen Warenausfuhren um 2,50 Euro. Die Studie bezieht erstmals auch Dienstleistungsexporte in die Berechnung ein und kommt damit auf einen deutlich höheren Multiplikator als frühere Untersuchungen.

Brigitte Réthier, Vorstandsmitglied der KfW, ordnet die Ergebnisse ein: „Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit führt zu spürbaren Exporteffekten, wovon heimische Wirtschaft und viele deutsche Arbeitsplätze profitieren.“ Die KfW sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung dafür, dass Entwicklungszusammenarbeit nicht nur den Empfängerländern nützt, sondern messbar auf die deutsche Volkswirtschaft zurückwirkt.

Die Zahlen im Überblick: Exporte, Arbeitsplätze, Sektoren

Kennzahl Wert Quelle, Stand
Exportmultiplikator 2,50 Euro je investiertem Euro KfW/Universität Göttingen, August 2026
Gesicherte Arbeitsplätze in Deutschland rund 380.000 KfW, August 2026
BMZ-Etat 2026 9,94 Milliarden Euro Bundestag, Juli 2026
BMZ-Etat 2025 10,28 Milliarden Euro Bundestag, Juli 2026
ODA-Quote Deutschlands 0,56 % des BNE BMZ, Stand 2025
ODA-Gesamtvolumen rund 26 Milliarden Euro BMZ, Stand 2025

Die stärksten Exportrenditen verzeichnet die Studie in den Branchen Maschinenbau, Transport, Informationstechnologie sowie Chemie- und Elektroindustrie. Diese Sektoren profitieren besonders stark, weil Infrastrukturprojekte in Partnerländern häufig deutsche Technologie und Anlagen erfordern.

Der Rendite-Widerspruch: Kürzungen trotz nachgewiesenem Multiplikator

Die KfW-Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit weiter kürzt. Der BMZ-Etat sinkt im Haushaltsjahr 2026 auf 9,94 Milliarden Euro, ein Rückgang um 340 Millionen Euro gegenüber den 10,28 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die bilaterale staatliche Entwicklungszusammenarbeit schrumpft von 4,85 auf 4,64 Milliarden Euro, die bilaterale finanzielle Zusammenarbeit von 2,07 auf 1,95 Milliarden Euro.

Besonders deutlich fallen die Einschnitte bei internationalen Verpflichtungen aus: Die Beiträge zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sinken um 82 Millionen Euro auf 288 Millionen Euro. Die Mittel für UN-Beiträge und Nichtregierungsorganisationen gehen um 55 Millionen Euro auf 501 Millionen Euro zurück. Einzige Ausnahme bilden die multilateralen Entwicklungsbanken, deren Mittelzuweisung um 225 Millionen Euro auf 1,22 Milliarden Euro steigt.

Warum der Zusammenhang zwischen Hilfe und Export funktioniert

Der Exportmultiplikator der Entwicklungszusammenarbeit lässt sich auf drei Wirkungsketten zurückführen. Erstens schaffen Infrastrukturprojekte in Partnerländern direkten Bedarf an deutschen Maschinen, Fahrzeugen und Technologie. Zweitens erhöht ein wachsendes Einkommensniveau in den Empfängerländern die Nachfrage nach Importgütern, von denen deutsche Hersteller überproportional profitieren. Drittens festigt die Präsenz deutscher Organisationen in Partnerländern Handelsbeziehungen, die über die Projektlaufzeit hinaus bestehen.

Die Universität Göttingen weist mit der erstmaligen Einbeziehung von Dienstleistungsexporten einen deutlich stärkeren Rückfluss nach als frühere Studien. Beratungsleistungen, Ingenieurdienstleistungen und IT-Services machen einen wachsenden Anteil an den Ausfuhren in Partnerländer aus, wurden in bisherigen Analysen aber nicht erfasst.

Was die Kürzungen für die deutsche Wirtschaft bedeuten

Rechnet man den Multiplikator von 2,50 Euro auf die geplante Kürzung von 340 Millionen Euro hoch, ergibt sich ein rechnerischer Exportverlust von 850 Millionen Euro. Diese Modellrechnung zeigt die Größenordnung, auch wenn der tatsächliche Effekt erst mit zeitlicher Verzögerung eintritt. Die KfW-Studie untersucht Wirkungen über einen 19-jährigen Zeitraum, kurzfristige Budgetänderungen wirken sich demnach erst mittelfristig auf die Handelsströme aus.

Deutschland erreichte 2025 eine ODA-Quote von 0,56 Prozent des Bruttonationaleinkommens, das entspricht rund 26 Milliarden Euro an öffentlichen Entwicklungsleistungen insgesamt. Ohne die Anrechnung von Flüchtlingskosten im Inland, die 2025 bei rund 4,3 Milliarden Euro lagen, würde die Quote auf 0,46 Prozent sinken. Das UN-Ziel von 0,7 Prozent verfehlt Deutschland damit seit Jahren.

Einordnung

Die KfW-Studie liefert ein wirtschaftliches Argument für Entwicklungszusammenarbeit, das in der aktuellen Haushaltsdebatte Gewicht haben könnte. Der nachgewiesene Exportmultiplikator von 2,50 steht im Widerspruch zur Kürzungspolitik der Bundesregierung. Ob die Ergebnisse die parlamentarische Debatte beeinflussen, bleibt abzuwarten. Für die rund 380.000 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze an der Entwicklungszusammenarbeit hängen, sind sinkende Budgets ein konkretes Risiko. Die Studie zeigt aber auch: Der Zusammenhang wirkt langfristig, nicht als kurzfristiger Hebel.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Exportmultiplikator von 2,50 konkret?

Der Exportmultiplikator besagt, dass jeder Euro, den Deutschland über die KfW in ein Partnerland der Entwicklungszusammenarbeit investiert, die deutschen Warenexporte in dieses Land um durchschnittlich 2,50 Euro steigert. Die Universität Göttingen hat diesen Wert über den Zeitraum von 2005 bis 2024 ermittelt. Der Effekt wirkt nicht sofort, sondern über mehrere Jahre.

Welche Branchen profitieren am stärksten von der Entwicklungszusammenarbeit?

Die höchsten Exportrenditen entstehen laut der KfW-Studie in den Bereichen Maschinenbau, Transport, Informationstechnologie sowie in der Chemie- und Elektroindustrie. Diese Sektoren liefern Technologie und Anlagen für Infrastrukturprojekte in den Partnerländern.

Warum kürzt die Bundesregierung trotzdem die Entwicklungshilfe?

Der Bundeshaushalt 2026 sieht für das BMZ 9,94 Milliarden Euro vor, 340 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Die Kürzungen betreffen unter anderem den Globalen Fonds, UN-Beiträge und die bilaterale Zusammenarbeit. Die Bundesregierung begründet die Einsparungen mit der angespannten Haushaltslage. Die KfW-Studie zeigt allerdings, dass die wirtschaftlichen Rückflüsse die Investitionen übersteigen.

Quellen:
KfW via Presseportal,
Deutscher Bundestag

Tobias Kramer
Tobias Kramer

Tobias Kramer schreibt über Technologie, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Nach einem Informatikstudium wechselte er in den Fachjournalismus und beobachtet seit zehn Jahren die Tech-Branche. Bei Meldungen.net betreut er die Ressorts Technologie und Karriere.

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