Deutschland eröffnet in Cochstedt in Sachsen-Anhalt ein nationales Drohnenabwehrzentrum. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt die Anlage gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Das Zentrum soll Technologien zur Erkennung und Abwehr unbemannter Flugobjekte testen und zertifizieren.
- Das DLR hat am 18. August 2026 das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme in Cochstedt eröffnet.
- Investitionsvolumen: über 10 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln.
- Rund 40 neue Arbeitsplätze entstehen am Standort Cochstedt.
- Eine 1.500 Quadratmeter große Drohnentesthalle in Braunschweig ergänzt die Freiluftanlage.
Was am Standort Cochstedt entsteht
Das DLR nutzt den ehemaligen Militärflugplatz Cochstedt in Sachsen-Anhalt als Testgelände für unbemannte Luftfahrtsysteme. Das Gelände bietet eine Landebahn von 2.500 Metern Länge und einen kontrollierten Luftraum, in dem Drohnen unter realistischen Bedingungen erprobt werden können. Auf dem Areal testen Forschungseinrichtungen, Sicherheitsbehörden und Industrieunternehmen Technologien zur Erkennung, Verfolgung und Neutralisierung von Drohnen.
Die Investitionen belaufen sich auf über 10 Millionen Euro (DLR, Stand August 2026). Das Bundesinnenministerium und das Bundesministerium für Digitales und Verkehr tragen den größten Teil der Kosten, das Land Sachsen-Anhalt beteiligt sich an der Infrastruktur. Am Standort entstehen rund 40 neue Arbeitsplätze, vor allem für Ingenieure, Techniker und Luftfahrtexperten.
Die Ausstattung im Detail
| Komponente | Standort | Funktion |
|---|---|---|
| Freiluft-Testgelände | Cochstedt (Sachsen-Anhalt) | Erprobung unter realen Bedingungen, 2.500-m-Landebahn |
| Drohnen-Testhalle | Braunschweig (Niedersachsen) | 1.500 m² Indoor-Käfig für kontrollierte Versuche |
| Sensorplattform | Cochstedt | Radar, Funk, optische Erkennung |
| Neutralisierungstechnik | Cochstedt | Jamming, Spoofing, Abfangsysteme |
Warum Deutschland ein Drohnenabwehrzentrum braucht
Die Zahl der sicherheitsrelevanten Drohnenvorfälle in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das Bundesinnenministerium registrierte 2025 über 400 gemeldete Drohnensichtungen im Umfeld kritischer Infrastruktur, darunter Flughäfen, Kraftwerke und Regierungsgebäude. In Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kam es wiederholt zu ungeklärten Drohnenflügen über militärischen Liegenschaften.
Der Krieg in der Ukraine hat die Bedrohung durch unbemannte Flugobjekte in ein neues Licht gerückt. Beide Seiten setzen Drohnen in großem Umfang ein, von Aufklärungsflügen bis hin zu gezielten Angriffen auf Infrastruktur. Die Bundeswehr hat daraus den Schluss gezogen, dass die bisherige Drohnenabwehr nicht ausreicht und neue Technologien unter realistischen Bedingungen erprobt werden müssen.
Was das Zentrum von bestehenden Einrichtungen unterscheidet
Deutschland unterhält bereits mehrere Forschungsstandorte für unbemannte Luftfahrt, etwa das DLR-Institut für Flugsystemtechnik in Braunschweig. Das Besondere am Standort Cochstedt ist die Kombination aus kontrolliertem Luftraum, Freiluft-Testgelände und Anbindung an zivile und militärische Nutzer. Anders als bei reinen Laborversuchen können in Cochstedt vollständige Abwehrszenarien durchgespielt werden, vom Erkennen einer Drohne über die Identifikation bis zur Neutralisierung.
Die 1.500 Quadratmeter große Indoor-Testhalle in Braunschweig ergänzt das Freiluftgelände. In der Halle lassen sich Versuche unter kontrollierten Bedingungen wiederholen, unabhängig von Wetter und Luftraumfreigabe. Die Kombination beider Standorte soll die Entwicklungszyklen für neue Abwehrtechnologien beschleunigen.
Wer das Zentrum nutzt
Das Erprobungszentrum steht drei Nutzergruppen offen. Sicherheitsbehörden wie Bundespolizei, Zoll und Landespolizeien können dort Abwehrsysteme unter Praxisbedingungen testen, bevor sie in den operativen Einsatz gehen. Forschungseinrichtungen erhalten Zugang zu einer Infrastruktur, die in Europa in dieser Form selten ist. Industrieunternehmen können Prototypen zertifizieren lassen, was die Markteinführung neuer Drohnenabwehrprodukte beschleunigt.
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister hat das Zentrum als Standortfaktor hervorgehoben. Die 40 neuen Arbeitsplätze seien ein Signal, dass der ländliche Raum in Sachsen-Anhalt von Hochtechnologie profitieren könne. Cochstedt liegt rund 40 Kilometer südwestlich von Magdeburg und ist über die Autobahn A14 erreichbar. Der ehemalige Militärflugplatz war nach der deutschen Einheit zunächst als Regionalflughafen genutzt worden, bevor das DLR ihn 2019 als Forschungsstandort übernahm.
Der europäische Kontext
Deutschland ist nicht das einzige europäische Land, das in Drohnenabwehr investiert. Frankreich betreibt seit 2023 ein Drohnentestzentrum in Istres, Großbritannien hat am Standort Porton Down eine Erprobungsanlage für elektromagnetische Abwehrsysteme aufgebaut. Die NATO hat Drohnenabwehr als eine der prioritären Fähigkeitslücken identifiziert und fördert über das Defence Innovation Accelerator Programme die Vernetzung nationaler Testinfrastrukturen.
Das Zentrum in Cochstedt positioniert sich als Bindeglied zwischen ziviler und militärischer Forschung. Während die Bundeswehr primär an der Abwehr militärischer Drohnen arbeitet, stehen für die Bundespolizei und die Betreiber kritischer Infrastruktur zivile Szenarien im Vordergrund: der Schutz von Flughäfen, Stadien, Regierungsgebäuden und Energieanlagen. Die duale Nutzung des Standorts soll sicherstellen, dass Technologien nicht isoliert entwickelt werden, sondern von Anfang an sowohl zivile als auch militärische Anforderungen erfüllen.
Wie es weitergeht
Das DLR plant, den Standort Cochstedt in den kommenden Jahren schrittweise auszubauen. Ab 2027 soll eine permanente Sensorinfrastruktur installiert werden, die den gesamten Luftraum über dem Testgelände in Echtzeit überwacht. Zudem laufen Gespräche mit europäischen Partnerländern über eine gemeinsame Nutzung der Anlage. Frankreich und die Niederlande haben bereits Interesse an Kooperationsprojekten signalisiert.
Die nächsten Tests in Cochstedt sind für September 2026 angesetzt. Dabei sollen erstmals mehrere Abwehrsysteme parallel erprobt werden, um Szenarien mit mehreren gleichzeitig operierenden Drohnen abzubilden. Die Ergebnisse fließen in die Beschaffungsplanung der Bundeswehr und der Bundespolizei ein.
Häufige Fragen
Was ist das Nationale Erprobungszentrum in Cochstedt?
Das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme ist eine Forschungs- und Testeinrichtung des DLR am ehemaligen Militärflugplatz Cochstedt in Sachsen-Anhalt. Es dient der Erprobung von Technologien zur Erkennung und Abwehr von Drohnen unter realistischen Bedingungen.
Wie viel hat das Drohnenabwehrzentrum gekostet?
Die Investitionen belaufen sich auf über 10 Millionen Euro. Die Mittel stammen vom Bundesinnenministerium, dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr sowie dem Land Sachsen-Anhalt. Am Standort entstehen rund 40 neue Arbeitsplätze.
Warum steigt die Bedrohung durch Drohnen?
Die Zahl der sicherheitsrelevanten Drohnenvorfälle in Deutschland nimmt seit Jahren zu. Das Bundesinnenministerium registrierte 2025 über 400 gemeldete Sichtungen im Umfeld kritischer Infrastruktur. Der Krieg in der Ukraine hat die militärische und zivile Bedrohung durch unbemannte Flugobjekte zusätzlich verdeutlicht.
Quellen:
Presseportal / DLR Cochstedt,
DLR Aktuelles