Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) und das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum (DRZ) fordern eine eigenständige Innovationssäule im Zehn-Milliarden-Pakt für den Bevölkerungsschutz. Ohne ein eigenes Budget für Drohnen, Robotik und Künstliche Intelligenz drohe Deutschland bei der Katastrophenbewältigung den Anschluss zu verlieren, warnen die Verbände am 18. August 2026.
- Die vfdb und das DRZ fordern eine eigene Innovationssäule mit festem Budgetanteil im Zehn-Milliarden-Pakt für den Bevölkerungsschutz.
- Der Bund investiert bis 2029 insgesamt zehn Milliarden Euro in Ausrüstung, Warnsysteme und Infrastruktur der Katastrophenhilfe.
- Unbemannte Luft- und Bodensysteme, Robotik und KI sollen unter realistischen Bedingungen erprobt und in die Fläche gebracht werden.
- Bisher hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unter anderem 61 Mannschaftstransportwagen und zehn CBRN-Erkundungswagen in die Beschaffung gegeben.
Was die Verbände konkret fordern
Die vfdb, mit Sitz in Münster eine der ältesten Fachvereinigungen im Brandschutz, und das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum verlangen in einem gemeinsamen Positionspapier vom 18. August 2026, dass der im Mai 2026 beschlossene Pakt für den Bevölkerungsschutz um eine dritte Komponente erweitert wird. Neben der Ertüchtigung bestehender Fähigkeiten und dem Ausbau der Warninfrastruktur soll eine eigenständige Säule „Innovation und Technologietransfer“ entstehen. Diese Säule soll drei Aufgaben erfüllen: Fähigkeitslücken gemeinsam ermitteln, neue Systeme unter realistischen Bedingungen erproben und erfolgreiche Lösungen in die breite Anwendung bringen. Die Verbände fordern zudem messbare Fähigkeitsziele und einen verbindlichen Innovationsanteil am Gesamtbudget von zehn Milliarden Euro (vfdb/DRZ-Positionspapier, August 2026).
Was der Pakt bisher vorsieht
Die Bundesregierung hat den Pakt für den Bevölkerungsschutz im Mai 2026 verabschiedet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius stellten das Programm gemeinsam vor. Das Gesamtvolumen beträgt zehn Milliarden Euro bis 2029 (Bundesregierung, Mai 2026). Die Mittel fließen in drei Schwerpunkte: moderne Ausrüstung für ehrenamtliche Einsatzkräfte, den Ausbau digitaler Warn- und Kommunikationssysteme sowie die Verbesserung der Trinkwasser- und Notstromversorgung.
Das Technische Hilfswerk (THW) unter Präsidentin Sabine Lackner erhält resiliente Standorte einschließlich neuer Logistikzentren. Das BBK unter Präsidentin Grit Tüngler koordiniert die Beschaffung von Fahrzeugen und Spezialgerät. Bis 2027 soll die zentrale Ansteuerung aller Sirenen über ein digitales Warnsystem abgeschlossen sein (BBK, Mai 2026). Die Warn-App NINA wird um Empfehlungen für öffentliche Zufluchtsorte erweitert.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Gesamtvolumen Bevölkerungsschutzpakt | 10 Milliarden Euro bis 2029 | Bundesregierung, Mai 2026 |
| Mannschaftstransportwagen (geplant) | 61 Fahrzeuge | BBK, Mai 2026 |
| CBRN-Erkundungswagen (übergeben) | 10 Fahrzeuge | BBK, Mai 2026 |
| Frist digitale Sirenenansteuerung | bis 2027 | Bundesregierung, Mai 2026 |
| BMI-Etat 2026 (Gesamthaushalt Inneres) | 16 Milliarden Euro | Bundestag, Haushalt 2026 |
Warum die Verbände nachsteuern wollen
Die vfdb und das DRZ argumentieren, dass der Pakt in seiner jetzigen Form vor allem auf die Erneuerung bestehender Strukturen setzt. Neue Fahrzeuge, Schutzausrüstung und Funkgeräte seien notwendig, deckten aber nur den Rückstand der vergangenen Jahrzehnte auf. Für die Herausforderungen der kommenden Jahre, darunter Extremwetterereignisse, hybride Bedrohungslagen und großflächige Infrastrukturausfälle, brauche der Bevölkerungsschutz einen systematischen Zugang zu neuen Technologien.
Konkret nennen die Verbände drei Technologiefelder: unbemannte Luft- und Bodensysteme, die bei Bränden, Hochwasser oder Gebäudeeinstürzen Erkundungsaufgaben übernehmen können, Robotik für den Einsatz in kontaminierten oder einsturzgefährdeten Bereichen sowie Künstliche Intelligenz zur Lagebilderstellung und Einsatzplanung. Die Verbände verweisen darauf, dass erfolgreiche Forschungsergebnisse aus dem Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung bisher selten den Weg in die operative Praxis finden. Der Technologietransfer scheitere regelmäßig an fehlenden Mitteln für den letzten Schritt von der Erprobung in den Regelbetrieb.
Was das für Kommunen und Ehrenamtliche bedeutet
Der Bevölkerungsschutz in Deutschland wird zu einem erheblichen Teil von ehrenamtlichen Kräften getragen. Rund 1,7 Millionen Freiwillige engagieren sich in Feuerwehren, dem THW und den Hilfsorganisationen. Sie arbeiten mit Ausrüstung, deren Modernisierung über Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Der Pakt adressiert dieses Problem mit moderner Schutzausrüstung und neuen Ausbildungsstandards, die bundesweit vereinheitlicht werden sollen.
Für die Kommunen, die einen Großteil der operativen Kosten im Katastrophenschutz tragen, bedeutet der Pakt eine spürbare Entlastung bei der Beschaffung. Die Forderung der Verbände nach einem festen Innovationsbudget zielt darauf ab, dass auch kleinere Feuerwehren und Hilfsorganisationen Zugang zu Drohnentechnik und digitalen Einsatzmitteln erhalten, ohne diese aus eigenen Mitteln finanzieren zu müssen. Zivilschutz soll zudem als Unterrichtsstoff in Schulen verankert werden, um das Bewusstsein für Selbsthilfe in der Bevölkerung zu stärken.
Wie es weitergeht
Der Zehn-Milliarden-Pakt läuft bis 2029. Die nächsten konkreten Meilensteine sind der Abschluss der digitalen Sirenenansteuerung bis 2027 und die Auslieferung der 61 geplanten Mannschaftstransportwagen. Ob die Bundesregierung die Forderung nach einer eigenständigen Innovationssäule aufgreift, ist offen. Das Sicherheitsforschungsprogramm des Bundes steht nach Angaben der Verbände vor einer Neuausrichtung, die eine Verzahnung mit dem Bevölkerungsschutzpakt ermöglichen könnte.
Im Bundestag haben in der aktuellen Wahlperiode mehrere Fraktionen eine Stärkung des Zivil- und Katastrophenschutzes befürwortet. Eine Aktuelle Stunde zum Thema Bevölkerungsschutz fand bereits in Kalenderwoche 21 statt. Die Debatte über den Innovationsanteil im Pakt dürfte mit der Haushaltsplanung für 2027 an Fahrt gewinnen.
Der Vorstoß der vfdb und des DRZ trifft einen wunden Punkt. Deutschland hat nach dem Ende des Kalten Krieges den Bevölkerungsschutz auf ein Minimum zurückgefahren, Schutzräume stillgelegt und Vorräte abgebaut. Der Zehn-Milliarden-Pakt ist die bisher größte Kurskorrektur, orientiert sich aber stark an der Wiederherstellung früherer Fähigkeiten. Die Frage, ob zehn Milliarden Euro reichen, um gleichzeitig den Rückstand aufzuholen und technologisch aufzurüsten, wird die Debatte in den kommenden Haushaltsjahren prägen. Der Verweis auf den BMI-Etat von 16 Milliarden Euro für 2026 zeigt, dass der Bevölkerungsschutzpakt gemessen am Gesamthaushalt des Innenressorts ein erhebliches Gewicht hat.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Pakt für den Bevölkerungsschutz?
Der Pakt ist ein im Mai 2026 von der Bundesregierung beschlossenes Investitionsprogramm über zehn Milliarden Euro bis 2029. Das Geld fließt in Ausrüstung für Einsatzkräfte, digitale Warnsysteme, Trinkwasser- und Notstromversorgung sowie die Stärkung von THW und Feuerwehren.
Welche Innovationen fordern die Verbände?
Die vfdb und das DRZ verlangen ein eigenes Budget für Drohnen, Rettungsrobotik und Künstliche Intelligenz innerhalb des Pakts. Ziel ist ein systematischer Technologietransfer von der Forschung in den Einsatzalltag von Feuerwehr und Katastrophenschutz.
Wie ist der Bevölkerungsschutz in Deutschland organisiert?
Der Bevölkerungsschutz ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. Der Bund ist für den Zivilschutz im Verteidigungsfall zuständig, die Länder für den Katastrophenschutz im Frieden. Operativ stützt sich das System auf rund 1,7 Millionen ehrenamtliche Einsatzkräfte in Feuerwehren, dem THW und den Hilfsorganisationen.
Quellen:
Bundesregierung,
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe