Ein Verkehrsunfall mit drei beteiligten Fahrzeugen und vier Verletzten auf der L 1107 bei Brackenheim in Baden-Württemberg am 18. August 2026 reiht sich in eine besorgniserregende Statistik ein: Auf Deutschlands Landstraßen starben 2025 insgesamt 1.580 Menschen, das waren 56 Prozent aller Verkehrstoten. Landstraßen bleiben damit der mit Abstand gefährlichste Straßentyp im Land.
- Auf Landstraßen starben 2025 in Deutschland 1.580 Menschen, 56 Prozent aller 2.832 Verkehrstoten (Destatis, Stand Juli 2026).
- Überhöhte Geschwindigkeit verursachte 29 Prozent aller tödlichen Unfälle, auf Landstraßen lag der Anteil bei 34 Prozent.
- Täglich verunglückten im Schnitt acht Menschen tödlich und mehr als 1.000 wurden verletzt.
Was auf der L 1107 passiert ist
Auf der Landesstraße 1107 zwischen Brackenheim und Schwaigern-Stetten kam es am Abend des 18. August 2026 im Bereich der Abzweigung Haberschlacht zu einem Verkehrsunfall mit drei beteiligten Fahrzeugen. Vier Personen wurden verletzt. Die Polizei Heilbronn nahm den Unfall auf. Weitere Angaben zur Unfallursache machte die Polizei zunächst nicht. Landstraßen wie die L 1107 zeichnen sich durch Gegenverkehr ohne bauliche Trennung, enge Kurven und Einmündungen ohne Ampelregelung aus, Faktoren, die das Unfallrisiko im Vergleich zu Autobahnen deutlich erhöhen.
Die Unfallbilanz 2025 in Zahlen
Das Statistische Bundesamt veröffentlichte im Juli 2026 die vollständige Unfallbilanz für das Jahr 2025. Die Zahlen zeigen einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr: 2.832 Menschen starben im Straßenverkehr, 62 mehr als 2024 und nahezu auf dem Niveau von 2023 mit 2.839 Toten (Destatis, Stand Juli 2026). Insgesamt registrierten die Behörden 2,52 Millionen Verkehrsunfälle, davon 297.000 mit Personenschaden.
| Straßentyp | Verkehrstote 2025 | Anteil |
|---|---|---|
| Landstraßen | 1.580 | 56 % |
| Innerorts | 960 | 34 % |
| Autobahnen | 292 | 10 % |
| Gesamt | 2.832 | 100 % |
Warum Landstraßen so gefährlich sind
Landstraßen machen etwa 40 Prozent des deutschen Straßennetzes aus, tragen aber 56 Prozent der Verkehrstoten. Die Hauptursache ist überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit: 812 Menschen starben 2025 durch zu schnelles Fahren, das entspricht 29 Prozent aller Verkehrstoten (Destatis, Stand Juli 2026). Auf Landstraßen lag der Anteil sogar bei 34 Prozent. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern kollidiert dort mit fehlenden Leitplanken, Gegenverkehr auf derselben Fahrbahn und unübersichtlichen Kreuzungen.
Besonders betroffen sind ältere Verkehrsteilnehmer: 1.115 der 2.832 Verkehrstoten waren 65 Jahre oder älter. Bei Kindern unter 15 Jahren stieg die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent auf 74 gegenüber dem Vorjahr. In Städten stellten Radfahrerinnen und Radfahrer mit 285 Toten sowie Fußgängerinnen und Fußgänger mit 317 Toten zusammen 63 Prozent der innerstädtischen Verkehrstoten (Destatis, Stand Juli 2026).
Was gegen das Risiko getan wird
Baden-Württemberg, wo sich der Unfall auf der L 1107 ereignete, hat 2025 ein Programm zur Entschärfung von Unfallschwerpunkten auf Landstraßen aufgelegt. Bundesweit setzen Verkehrsplaner auf den Bau von Überholfahrstreifen mit baulicher Mitteltrennung, sogenannten 2+1-Straßen. In Schweden, wo dieses Prinzip seit den 1990er Jahren flächendeckend eingesetzt wird, sind die Todesfälle auf Landstraßen um mehr als die Hälfte zurückgegangen. In Deutschland existieren bislang nur einzelne Pilotabschnitte.
Die Gewerkschaft der Polizei fordert darüber hinaus eine verstärkte Geschwindigkeitsüberwachung auf Landstraßen. Stationäre Blitzer stehen bisher überwiegend innerorts und auf Autobahnen, die Landstraßen dazwischen werden deutlich seltener kontrolliert.
Einzelne Unfälle lassen sich schwer verhindern, Muster schon. Dass mehr als die Hälfte aller Verkehrstoten auf Landstraßen stirbt, ist seit Jahren bekannt, doch die bauliche Ertüchtigung dieser Straßen bleibt hinter dem Bedarf zurück. Solange Gegenverkehr bei Tempo 100 auf derselben Fahrbahn fährt, wird die Landstraße der gefährlichste Ort im deutschen Straßennetz bleiben.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen sterben jährlich auf Deutschlands Landstraßen?
Im Jahr 2025 starben 1.580 Menschen auf Landstraßen, das waren 56 Prozent aller 2.832 Verkehrstoten in Deutschland. Landstraßen sind damit deutlich gefährlicher als Autobahnen mit 292 Toten und innerörtliche Straßen mit 960 Toten.
Was ist die häufigste Unfallursache auf Landstraßen?
Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache tödlicher Unfälle auf Landstraßen. 34 Prozent der tödlichen Landstraßenunfälle gehen auf zu schnelles Fahren zurück. Auf Autobahnen liegt der Anteil bei 42 Prozent.
Was sind 2+1-Straßen?
Bei 2+1-Straßen wechseln sich Abschnitte mit einer und zwei Fahrspuren pro Richtung ab, getrennt durch eine bauliche Mittelleitplanke. Das Prinzip stammt aus Schweden und hat dort die Todesfälle auf Landstraßen um mehr als die Hälfte reduziert. In Deutschland gibt es bislang nur einzelne Pilotabschnitte.
Quellen:
Polizeipräsidium Heilbronn,
Statistisches Bundesamt