Die NASA startet am 30. August 2026 das Nancy Grace Roman Space Telescope mit einer SpaceX Falcon Heavy vom Kennedy Space Center in Florida. Das Weltraumteleskop verfügt über einen Spiegel mit 2,4 Metern Durchmesser und erfasst mit seinem Gesichtsfeld 100-mal mehr Himmel als Hubble auf einmal. Der wissenschaftliche Betrieb soll ab Januar 2027 laufen.
- Das Roman-Teleskop startet am 30. August 2026 um 13:26 Uhr MESZ mit einer Falcon Heavy ins All.
- Das Gesichtsfeld des Teleskops ist 100-mal größer als das der Hubble-Kameras (NASA, Stand August 2026).
- Ein Koronograph kann Planeten erkennen, die 100 Millionen Mal schwächer leuchten als ihr Stern (ScienceDaily, Stand August 2026).
- Das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg liefert als einziger direkter deutscher Partner Präzisionsmechanismen für die Optik.
Was am Sonntag passiert
Das Nancy Grace Roman Space Telescope hebt am 30. August 2026 um 7:26 Uhr Ortszeit (13:26 Uhr MESZ) vom Launch Complex 39A des Kennedy Space Center in Florida ab. Als Trägerrakete dient eine SpaceX Falcon Heavy. Die NASA gibt die Wettervorhersage für den Start mit einer 60-prozentigen Chance auf günstige Bedingungen an (NASA, Stand 28. August 2026). Das Roman-Teleskop ist damit die sechste primäre NASA-Mission, die mit einer Falcon-Rakete vom Kennedy Space Center startet, nach IXPE, Psyche, GOES-U, Europa Clipper und IMAP.
Der Start erfolgt rund acht Monate früher als der ursprünglich zugesagte Termin. Diese Punktlandung ist bemerkenswert für ein Projekt, das in den späten 1990er-Jahren konzipiert wurde, ursprünglich für 2020 geplant war und mehrere Streichungsversuche im Bundeshaushalt der USA überstand.
Technische Daten im Vergleich
Das Roman-Teleskop trägt einen Primärspiegel mit 2,4 Metern Durchmesser. Damit erreicht das Teleskop dieselbe Spiegelgröße wie Hubble, das seit 1990 im Einsatz ist. Der entscheidende Unterschied liegt im Gesichtsfeld: Die Kameras des Roman-Teleskops erfassen pro Aufnahme eine 100-mal größere Himmelsfläche als Hubble (NASA, Stand August 2026).
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Spiegeldurchmesser | 2,4 Meter | MPIA, August 2026 |
| Gesichtsfeld vs. Hubble | 100-mal größer | NASA, August 2026 |
| Koronograph-Empfindlichkeit | Planeten 100 Mio. Mal schwächer als Wirtsstern | ScienceDaily, August 2026 |
| Verbesserung gg. bisherige Koronographen | 100- bis 1000-fach | ScienceDaily, August 2026 |
| Mindest-Missionsdauer | 5 Jahre | MPIA, August 2026 |
| Hubbles Himmelsabdeckung in 30+ Jahren | ca. 0,1 Prozent | ScienceDaily, August 2026 |
| Positionierungstoleranz (PAM) | max. 40 Millibogensekunden Drift in 8 Stunden | MPIA, August 2026 |
| Beginn Wissenschaftsbetrieb | Januar 2027 | ScienceDaily, August 2026 |
Zum Vergleich: Hubble hat in mehr als 30 Jahren Betrieb rund 0,1 Prozent des Nachthimmels abgebildet. Das Roman-Teleskop könnte dank seines Weitwinkelblicks den gesamten Himmel in vergleichbarer Auflösung erfassen.
Deutsche Technologie an Bord
Das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg ist nach eigenen Angaben der einzige direkte deutsche Partner der NASA bei dieser Mission. Das MPIA liefert sogenannte Precision Alignment Mechanisms (PAMs), insgesamt sechs Flugmodelle, die optische Elemente im Teleskop präzise positionieren. Die Toleranz liegt bei maximal 40 Millibogensekunden Drift über acht Stunden (MPIA, Stand August 2026).
Die Mechanismen entstanden in Zusammenarbeit mit der Firma von Hoerner & Sulger aus Schwetzingen bei Heidelberg. Projektleiter am MPIA ist Oliver Krause, unterstützt von Wolfgang Brandner und Gaël Chauvin. Das MPIA integrierte die PAMs zusammen mit optischen Filtern in den sogenannten Color Filter Alignment Mechanism (CFAM), eine Baugruppe für den Koronographen des Teleskops.
Die drei Forschungsziele des Roman-Teleskops
Das Roman-Teleskop verfolgt drei zentrale wissenschaftliche Aufgaben, die jeweils auf die Stärken des Instruments zugeschnitten sind.
Dunkle Energie und Dunkle Materie: Großflächige Durchmusterungen sollen die Verteilung von Galaxien im Universum kartieren. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die beschleunigte Ausdehnung des Kosmos ziehen. Das Roman-Teleskop ergänzt dabei die Messungen des ESA-Teleskops Euclid, das seit 2023 im Einsatz ist.
Exoplaneten: Der integrierte Koronograph blockiert das Licht eines Sterns, sodass Planeten in dessen Umlaufbahn sichtbar werden. Das Instrument kann Objekte erkennen, die 100 Millionen Mal schwächer leuchten als der Wirtsstern (ScienceDaily, Stand August 2026). Die Leistungsfähigkeit übertrifft bisherige weltraumgestützte Koronographen nach NASA-Angaben um den Faktor 100 bis 1000.
Galaxien-Kartierung: Die Weitwinkelkamera soll Milliarden von Galaxien erfassen, Schwarze Löcher untersuchen und die gewonnenen Daten sowohl Forschenden als auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Das Roman-Teleskop schließt eine strategische Lücke in der astronomischen Beobachtung. Hubble liefert scharfe Bilder kleiner Himmelsausschnitte, das James Webb Space Telescope (JWST) blickt tief ins Infrarot auf einzelne Objekte. Das Roman-Teleskop kombiniert Hubble-Auflösung mit einem Panoramablick, der für statistische Untersuchungen ganzer Galaxienpopulationen nötig ist. Erst mit dieser Kombination lassen sich Fragen zur Struktur des Universums beantworten, die weder Hubble noch JWST allein klären können. Die acht Monate Vorsprung gegenüber dem geplanten Termin sind in einem Feld bemerkenswert, das für Verzögerungen bekannt ist: Das JWST startete mit 14 Jahren Verspätung.
Wie es nach dem Start weitergeht
Nach dem Abheben am 30. August 2026 reist das Roman-Teleskop zum Lagrange-Punkt L2, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Dort befindet sich bereits das James Webb Space Telescope. Die Inbetriebnahme und Kalibrierung dauern nach NASA-Angaben mehrere Monate. Der reguläre Wissenschaftsbetrieb des Roman-Teleskops beginnt voraussichtlich im Januar 2027 (ScienceDaily, Stand August 2026).
Die Mindest-Missionsdauer beträgt fünf Jahre (MPIA, Stand August 2026). Hubble ist seit 1990 aktiv und hat seine geplante Lebensdauer um Jahrzehnte übertroffen. Ob das Roman-Teleskop eine vergleichbare Langlebigkeit erreicht, hängt unter anderem vom Treibstoffvorrat und dem Zustand der Instrumente ab.
Häufige Fragen zum Roman-Teleskop
Was unterscheidet das Roman-Teleskop von Hubble?
Das Roman-Teleskop hat denselben Spiegeldurchmesser wie Hubble (2,4 Meter), erfasst pro Aufnahme aber eine 100-mal größere Himmelsfläche. Hubble hat in über 30 Jahren rund 0,1 Prozent des Nachthimmels abgebildet. Das Roman-Teleskop kann den gesamten Himmel in vergleichbarer Auflösung kartieren.
Warum heißt das Teleskop Nancy Grace Roman?
Das Teleskop ist nach der NASA-Astronomin Nancy Grace Roman (1925 bis 2018) benannt. Roman gilt als Mutter des Hubble-Weltraumteleskops und setzte sich in den 1960er-Jahren dafür ein, ein großes optisches Teleskop im All zu stationieren.
Wann liefert das Roman-Teleskop erste Ergebnisse?
Der wissenschaftliche Betrieb beginnt voraussichtlich im Januar 2027, rund fünf Monate nach dem Start. Erste Bilder und Daten werden nach der Kalibrierungsphase erwartet. Die Mindest-Missionsdauer beträgt fünf Jahre.
Quellen:
NASA Roman Space Telescope Blog,
Max-Planck-Institut für Astronomie