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Merkur-Gründer Paul Gauselmann ist tot: Vom Einmannbetrieb zum Milliarden-Konzern

Wirtschaft

Paul Gauselmann, Gründer der Merkur Group und über Jahrzehnte prägender Kopf der deutschen Automatenindustrie, ist am 21. August 2026 im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Unternehmer baute aus einem Einmannbetrieb in Ostwestfalen einen Konzern mit rund 15.000 Beschäftigten und etwa 2,1 Milliarden Euro Jahresumsatz auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Paul Gauselmann starb am 21. August 2026 kurz vor seinem 92. Geburtstag in Espelkamp.
  • Die Merkur Group beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet circa 2,1 Milliarden Euro Umsatz.
  • Seit 1984 hält das Unternehmen mehr als 50 Prozent Marktanteil bei Geldspielgeräten in Deutschland.
  • Gauselmann übertrug 2016 alle Firmenanteile in die Gauselmann-Familienstiftung, die Nachfolge ist geregelt.

Wie Paul Gauselmann die Merkur Group aufbaute

Paul Gauselmann gründete sein Unternehmen 1957 in Espelkamp, einer kleinen Stadt im Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen. Was als Einmannbetrieb begann, der Münzautomaten aufstellte und wartete, entwickelte sich über fast sieben Jahrzehnte zu Deutschlands größtem Glücksspielkonzern. Den Markennamen Merkur, der heute den gesamten Konzern trägt, führte Gauselmann 1977 mit dem Spielautomaten „Merkur B“ ein. Bereits 1984 erreichte die Firma die Marktführerschaft mit einem Anteil von über 50 Prozent bei Geldspielgeräten in Deutschland (Wikipedia, Stand August 2026). Diesen Vorsprung hielt das Unternehmen über vier Jahrzehnte.

Die Zahlen hinter dem Konzern

Die Merkur Group zählt zu den umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland. Im jüngsten Geschäftsjahr erwirtschaftete der Konzern einen Gesamtumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro mit circa 15.000 Beschäftigten weltweit (Handelsblatt, Stand August 2026). Der Exportanteil liegt bei etwa 60 Prozent. Das Unternehmen umfasst mehr als 200 Einzelgesellschaften, von denen über die Hälfte ihren Sitz in Deutschland haben.

Kennzahl Wert Quelle, Stand
Jahresumsatz ca. 2,1 Milliarden Euro Handelsblatt, August 2026
Mitarbeiter weltweit ca. 15.000 Handelsblatt, August 2026
Marktanteil Geldspielgeräte DE über 50 Prozent (seit 1984) Wikipedia, August 2026
Spielhallen europaweit über 800 Wikipedia, August 2026
Einzelgesellschaften über 200 Wikipedia, August 2026
Exportanteil ca. 60 Prozent Wikipedia, August 2026

Vom Automatenaufsteller zum Branchenführer

Die Geschichte der Merkur Group spiegelt die Entwicklung der gesamten deutschen Automatenindustrie. Paul Gauselmann kam als Vertriebener aus dem heutigen Tschechien nach Ostwestfalen und begann mit dem Aufstellen von Musikboxen und Münzautomaten. In den Anfangsjahren fuhr Gauselmann selbst durch die Region, um seine Automaten zu warten und abzurechnen. Der entscheidende Schritt folgte Ende der 1970er-Jahre, als Gauselmann in die eigene Entwicklung und Produktion von Geldspielgeräten einstieg. Mit dem „Merkur B“ schuf er 1977 das erste Gerät unter eigenem Markennamen.

Der wirtschaftliche Aufstieg verlief danach rasant. 1984 erreichte die Firma die Marktführerschaft bei Geldspielgeräten in Deutschland. 1991 überschritt der Jahresumsatz erstmals die Marke von einer Milliarde Deutsche Mark. Bis 2017 hatte die Merkur Group mehr als zwei Millionen Spielautomaten produziert (Wikipedia, Stand August 2026). Espelkamp, eine Stadt mit rund 25.000 Einwohnern, wurde durch den Konzern zu einem der wichtigsten Standorte der deutschen Freizeitwirtschaft.

Über die Kernsparte Spielautomaten hinaus erweiterte Gauselmann den Konzern systematisch um weitere Geschäftsfelder. Heute umfasst die Merkur Group Sportwetten, Online-Gaming, Online-Casinos, Finanzdienstleistungen und den Betrieb von Spielbanken, darunter auch Casinos auf Kreuzfahrtschiffen. Diese Diversifizierung machte den Konzern widerstandsfähiger gegenüber regulatorischen Einschnitten im klassischen Automatengeschäft.

Gauselmanns Rolle in der Branchenpolitik

Paul Gauselmann war nicht nur Unternehmer, sondern auch politischer Interessenvertreter seiner Branche. 28 Jahre lang führte Gauselmann den Verband der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) als Vorstandsvorsitzender. In dieser Funktion vertrat er eine Branche, die in Deutschland stets zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz und regulatorischem Druck stand. Für sein unternehmerisches Wirken erhielt Gauselmann 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die Städte Espelkamp und Lübbecke ernannten ihn 2004 zum Ehrenbürger.

Nachfolge und Zukunft des Konzerns

Die Merkur Group steht nach dem Tod ihres Gründers vor einer neuen Phase, doch die Nachfolge ist seit Jahren geregelt. Bereits 2016 übertrug Paul Gauselmann alle Firmenanteile in die Gauselmann-Familienstiftung. Damit sicherte der Gründer den Zusammenhalt des Konzerns über Generationen hinweg ab und verhinderte eine Zersplitterung des Firmenvermögens. 2024 schied Gauselmann aus der Konzernspitze aus, Lars Felderhoff übernahm als Vorstandssprecher der inzwischen in Merkur.com AG umbenannten Holding. Gauselmann hinterließ seine Ehefrau, vier Söhne, neun Enkel und sieben Urenkel.

Die Branche steht vor eigenen Herausforderungen. Die zunehmende Regulierung des Glücksspiels in Deutschland, der Wettbewerb durch internationale Online-Anbieter und die gesellschaftliche Debatte über Spielsuchtprävention bestimmen die Rahmenbedingungen, in denen die nächste Führungsgeneration den Konzern steuern muss.

Einordnung

Paul Gauselmanns Lebenswerk zeigt exemplarisch, wie ein einzelner Unternehmer eine gesamte Branche formen kann. Die Merkur Group ist nicht nur Deutschlands größter Glücksspielkonzern, sondern war über Jahrzehnte auch der technologische Taktgeber für die Automatenindustrie. Dass der Konzern den Generationenwechsel bereits vor dem Tod des Gründers vollzogen hat und durch die Stiftungskonstruktion gegen Erbstreitigkeiten abgesichert ist, unterscheidet die Merkur Group von vielen anderen deutschen Familienunternehmen, bei denen der Übergang zum Risiko wird. Die entscheidende Frage für die Zukunft ist, ob die Diversifizierung in Online-Geschäftsfelder schnell genug voranschreitet, um regulatorische Einschränkungen im stationären Geschäft aufzufangen.

Häufige Fragen

Wer war Paul Gauselmann?

Paul Gauselmann war ein deutscher Unternehmer, der 1957 die heutige Merkur Group gründete. Er baute das Unternehmen vom Einmannbetrieb in Espelkamp zum größten Glücksspielkonzern Deutschlands mit rund 15.000 Mitarbeitern und circa 2,1 Milliarden Euro Jahresumsatz auf. Gauselmann starb am 21. August 2026 im Alter von 91 Jahren.

Wem gehört die Merkur Group nach dem Tod von Paul Gauselmann?

Paul Gauselmann übertrug bereits 2016 alle Firmenanteile in die Gauselmann-Familienstiftung. Damit ist die Eigentümerstruktur langfristig geregelt. Seit 2024 leitet Lars Felderhoff als Vorstandssprecher der Merkur.com AG die operative Geschäftsführung des Konzerns.

Wie groß ist die Merkur Group?

Die Merkur Group erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro und beschäftigt circa 15.000 Mitarbeiter weltweit. Der Konzern umfasst mehr als 200 Einzelgesellschaften und betreibt über 800 Spielhallen in Europa. Seit 1984 hält die Merkur Group einen Marktanteil von über 50 Prozent bei Geldspielgeräten in Deutschland.

Quellen:
Presseportal / Merkur Group,
Handelsblatt

Miriam Falk
Miriam Falk

Miriam Falk berichtet über Gesundheit, Pflege und gesellschaftliche Entwicklungen. Sie ist ausgebildete Journalistin mit Schwerpunkt Sozial- und Gesundheitspolitik und schreibt seit zwölf Jahren für Fach- und Publikumsmedien. Bei Meldungen.net verantwortet sie Gesundheit und Gesellschaft.

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