Ein einzelner Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad kostet die deutsche Wirtschaft 431 Millionen Euro. Das geht aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums hervor, auf die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) am 20. August 2026 hingewiesen hat. Der größte Teil der Kosten entsteht nicht durch Krankheit, sondern durch sinkende Produktivität am Arbeitsplatz.
- Jeder Tag über 30 Grad verursacht laut Prognos-Studie wirtschaftliche Schäden von 431 Millionen Euro in Deutschland.
- 97 Prozent der Kosten entstehen durch Produktivitätsverluste, nur drei Prozent durch Krankmeldungen und Arbeitsunfälle.
- Pro Hitzetag fallen bundesweit 76.500 zusätzliche Fehltage an.
- Bis 2060 könnten die jährlichen Hitzekosten auf bis zu 9 Milliarden Euro steigen.
Prognos-Studie beziffert die Kosten erstmals umfassend
Die Prognos-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) hat die wirtschaftlichen Folgen von Hitzetagen für Deutschland erstmals in dieser Breite berechnet. Das Ergebnis: Sobald das Thermometer die 30-Grad-Marke überschreitet, sinkt die Wirtschaftsleistung messbar. Die DGUV als Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hat die Zahlen am 20. August 2026 öffentlich eingeordnet und vor den wachsenden Risiken für Beschäftigte gewarnt.
Die Studie unterscheidet zwischen direkten und indirekten Kosten. Direkte Kosten umfassen Produktivitätsrückgänge, Krankmeldungen und Arbeitsunfälle. Indirekte Kosten entstehen durch Lieferkettenverzögerungen, höheren Energieverbrauch für Kühlung und langfristige Gesundheitsschäden. Zusammen ergibt sich ein Bild, das weit über den einzelnen Hitzetag hinausreicht.
Produktivität bricht bei Hitze stärker ein als erwartet
Der auffälligste Befund der Prognos-Studie betrifft die Verteilung der Kosten. Von den 431 Millionen Euro pro Hitzetag entfallen 97 Prozent auf Produktivitätsverluste (Prognos/BMAS, Stand August 2026). Nur rund 13 Millionen Euro gehen auf Krankmeldungen und Arbeitsunfälle zurück. Die DGUV weist darauf hin, dass das Unfallrisiko bei hohen Temperaturen dennoch deutlich ansteigt, besonders auf Baustellen, in Lagerhallen und in der Landwirtschaft.
Pro Hitzetag registriert die Studie bundesweit 76.500 zusätzliche Fehltage (Prognos/BMAS, Stand August 2026). Diese verteilen sich nicht gleichmäßig: Branchen mit körperlicher Arbeit im Freien oder in schlecht klimatisierten Gebäuden sind überproportional betroffen.
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Kosten pro Hitzetag (ab 30 °C) | 431 Mio. Euro | Prognos/BMAS, August 2026 |
| Anteil Produktivitätsverluste | 97 % | Prognos/BMAS, August 2026 |
| Zusätzliche Fehltage pro Hitzetag | 76.500 | Prognos/BMAS, August 2026 |
| Temperaturrekord Juni 2026 | 41,7 °C | DWD, Juni 2026 |
| Jährliche Hitzekosten bis 2060 (direkt) | 2,1 bis 4,5 Mrd. Euro | Prognos, RCP8.5-Szenario |
| Jährliche Hitzekosten bis 2060 (gesamt) | 4,2 bis 9 Mrd. Euro | Prognos, RCP8.5-Szenario |
Welche Branchen die Hitze am härtesten trifft
Besonders betroffen sind vier Wirtschaftszweige: Baugewerbe, Land- und Forstwirtschaft, verarbeitendes Gewerbe sowie Verkehr und Lagerei. In diesen Sektoren arbeiten Beschäftigte regelmäßig im Freien oder in Räumen ohne ausreichende Klimatisierung. Die Prognos-Studie zeigt, dass die Produktivitätsverluste in diesen Branchen an Hitzetagen deutlich über dem Durchschnitt liegen.
Im Baugewerbe kommen zusätzliche Risiken hinzu. Konzentrationsfehler bei Temperaturen über 30 Grad führen häufiger zu Arbeitsunfällen, insbesondere bei Arbeiten in der Höhe und beim Umgang mit schweren Maschinen. Die DGUV empfiehlt für diese Bereiche angepasste Arbeitszeiten, häufigere Pausen und eine bessere Versorgung mit Trinkwasser am Arbeitsplatz.
Der Juni-Rekord zeigt, was auf Deutschland zukommt
Am 30. Juni 2026 wurde in Neißemünde-Coschen in Brandenburg mit 41,7 Grad Celsius ein neuer deutscher Allzeitrekord gemessen. An 46 weiteren Messstationen überschritt die Temperatur an diesem Tag die 40-Grad-Marke. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Hitzetage in Deutschland keine Ausnahme mehr sind, sondern ein wiederkehrendes Phänomen mit steigender Intensität.
Die Prognos-Studie rechnet im Szenario RCP8.5 für den Zeitraum 2031 bis 2060 mit fünf bis zehn zusätzlichen Hitzetagen pro Jahr. Für Süddeutschland fallen die Projektionen besonders hoch aus: Bayern und Baden-Württemberg müssen mit Zusatzkosten von bis zu 700 Millionen Euro jährlich rechnen (Prognos, RCP8.5-Szenario).
Die drei Kostentreiber der Hitzerechnung
Die 431 Millionen Euro pro Hitzetag setzen sich aus drei Kostentreibern zusammen. Der erste und mit Abstand größte ist der Produktivitätsrückgang: Beschäftigte arbeiten bei Hitze langsamer, machen mehr Fehler und brauchen längere Pausen. Der zweite Kostentreiber sind krankheitsbedingte Ausfälle, von Kreislaufproblemen bis zu Hitzschlag. Der dritte sind Arbeitsunfälle, deren Häufigkeit bei hohen Temperaturen nachweislich steigt. Zusammen zeigen diese drei Faktoren, dass Hitzeschutz am Arbeitsplatz kein Komfortthema ist, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Summen werden mit dem Klimawandel weiter steigen. Unternehmen, die jetzt in Prävention investieren, ob durch bauliche Maßnahmen, flexible Arbeitszeiten oder bessere Schutzausrüstung, können einen Teil dieser Kosten abwenden.
Häufige Fragen zu Hitzekosten in Deutschland
Wie viel kostet ein einzelner Hitzetag die deutsche Wirtschaft?
Ein Tag mit Temperaturen über 30 Grad kostet die deutsche Wirtschaft 431 Millionen Euro. Die Zahl stammt aus einer Prognos-Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums aus dem Jahr 2026. Der größte Teil entfällt auf Produktivitätsverluste, nicht auf Krankmeldungen.
Welche Branchen sind von Hitze am stärksten betroffen?
Das Baugewerbe, die Land- und Forstwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe sowie Verkehr und Lagerei tragen die höchsten Kosten. In diesen Branchen arbeiten Beschäftigte häufig im Freien oder in schlecht klimatisierten Räumen, was Produktivität und Gesundheit an Hitzetagen besonders beeinträchtigt.
Wie werden sich die Hitzekosten in Zukunft entwickeln?
Die Prognos-Studie rechnet bis 2060 mit jährlichen Gesamtkosten von 4,2 bis 9 Milliarden Euro durch hitzebedingte Ausfälle. Grundlage ist das Klimaszenario RCP8.5, das fünf bis zehn zusätzliche Hitzetage pro Jahr für Deutschland annimmt. Süddeutschland wird überdurchschnittlich betroffen sein.
Quellen:
DGUV via Presseportal,
Prognos, Arbeitsschutz im Klimawandel